LIVE
...

Follow us on

Soccer News

Romantik schlägt Technik

Follow us on Google Discover

Die Mehrzahl der DFL-Vereine spricht sich gegen eine Nutzung des technischen Torlbeweises aus. Kommt jetzt der Videobeweis?

Nur 12 der insgesamt 36 Erst- und Zweitligisten sprachen sich für die Einführung der Torlinientechnik aus um zukünftig genau beweisen zu können, ob ein Ball tatsächlich hinter der Torlinie war oder nicht. Dadurch hätte man zukünftig auch Phantomtore verhindern können, wie beispielsweise Kiesslings Kopfball durch ein Loch des äusseren Tornetzes im Spiel Hoffenheim gegen Leverkusen in der Bundesligahinrunde oder natürlich auch Helmers legendäres Phantomtor vor genau 20 Jahren.

Auch zukünftig sind somit Fehlentscheidungen nicht ausgeschlossen und damit ebenfalls nicht die Diskussionen um Schiedsrichterfehler. Generell wäre es durch dieses technische Hilfsmittel möglich gewesen etwas Druck von den Unparteiischen zu nehmen, welche sich im Vorfeld auch klar für die Verwendung der neuen Technik ausgesprochen hatten.

Dieser Gefallen wurde ihnen vorerst nicht getan und wenn man die Begründung dafür hört, muss man sich schon fragen, wie gross der Wille zu dieser technischen Neuerung bei den Vereinen überhaupt war. Die meisten Vereinsvertreter aus dem Lager der Gegner verwiesen nämlich auf die hohen Kosten und die unausgefeilte Technik.

Es ist also nicht möglich gewesen eine überzeugende Kosten-Nutzen-Rechnung vorzulegen und dass im hochökonomisierten Fussballsport. Wenn die heimische Wasserballliga beschliesst aus Kostengründen keine Torlinientechnik einzuführen, dann kann man dafür ja Verständnis haben, aber in den höchsten beiden Fussballigen wird sicher genug Geld bewegt um sich so eine Technik leisten zu können. Man hätte beispielsweise ein finanzielles Modell entwerfen können, in dem die grossen Bundesligisten die Hauptkosten tragen und dadurch kleinere Zweitligisten etwas mehr entlastet wären. Bei Pokalheimspielen der Zweit- gegen Bundesligisten würden letztere ja schliesslich auch von dieser Technik profitieren.

Genauso wenig überzeugend ist das Argument der unausgefeilten Technik. Im Tennis wird das sogenannte Hawk-Eye bereits seit Jahren erfolgreich verwendet und auch im Fussball hat man beim Confederations Cup in Brasilien gesehen wie hilfreich diese Technik sein kann. Nicht zuletzt deswegen wurde sie ja auch in der Premier League zu Saisonbeginn eingeführt und von dort hört man eigentlich keine ständigen Klagen über die technische Mangelhaftigkeit. Ausgerechnet im technikaffinen und -innovativen Deutschland soll es nun also keine überzeugende technische Anwendung geben die feststellen kann, ob ein Lederball eine weisse Linie überquert hat oder nicht?

Vielleicht kommt ja nun stattdessen der Videobeweis, aber auch da muss man skeptisch sein. Im Gegensatz zur Torlinientechnik müsste man bei diesem nämlich noch entscheiden wann er überhaupt einzusetzen ist, sprich bei Fouls, Abseits, Tätlichkeiten, etc. Nachdem die DFL-Vereine sich gegen die unstrittigere Variante ausgesprochen haben, ist nicht davon auszugehen, dass der Videobeweis so schnell kommen wird.

Innovation ist von den DFL-Vereinen nicht zu erwarten und eine gewisse Portion Traditionsliebe ist ja auch nicht verkehrt, zumal das System DFL aktuell ja auch gut funktioniert. Bedauerlicherweise haben die Vereinsvertreter nicht erkannt, dass in diesem Fall die neue Technik nur die Arbeit der Schiedsrichter erleichtern und das Spiel dadurch nichts an seiner Attraktivität verlieren würde.

Vielleicht kommt aber noch die grosse Einsicht wenn man auf einmal feststellen sollte, dass man die Auswertungszeiten bei der Torlinientechnik oder dem Videobeweis ja auch für zusätzliche Fernsehwerbung verwenden kann. Es ware interessant zu wissen, wie dann das Abstimmungsverhalten der DFL-Vereine wäre.