Schneller zu Hause als die eigenen Postkarten

Three Lions Wembley

England hat einmal mehr bestätigt warum die Three Lions aktuell nichts mit der Vergabe von Titeln bei internationalen Turnieren zu tun haben. Trotzdem hat sich gezeigt, dass das nicht auf ewig so bleiben muss.

Bereits im Vorfeld des WM-Turniers galt ein Ausscheiden des englischen Nationalteams in der Gruppenphase angesichts der schweren Gruppengegner als nicht komplett unrealistisches Szenario. Das es genauso kam war nicht zuletzt auch ein bisschen dem Pech geschuldet, welches die Three Lions in ihren ersten beiden Partien gegen Italien und Uruguay hatten. In beiden Spielen waren sie ihren Gegnern eigentlich ebenbürtig, aber gingen dennoch als Verlierer vom Platz.

Der grosse Unterschied zum Finalturnier vor vier Jahren war allerdings, dass man zum ersten Mal seit langem eine echte Perspektive für die Zukunft erkennen konnte. Besonders die jungen Offensivspieler Raheem Sterling und Daniel Sturridge, welche beide ihr Geld beim FC Liverpool verdienen, sowie Ross Barkley vom FC Everton liessen ihr grosses Talent in Brasilien aufblitzen.

So sehr die Offensive also Hoffnung für die Zukunft gibt, so wenig trifft dies bislang auf die Defensive zu. Dort hat man mit Cahill, Smalling und Jagielka höchst durchschnittliche Innenverteidiger, die (noch) nicht höchsten internationalen Ansprüchen genügen. Das erst 18-jährige Aussenverteidigertalent Luke Shaw konnte im Spiel gegen Costa Rica ebenfalls nicht unter Beweis stellen, warum Manchester United angeblich bereit sein soll 35 Millionen Euro für ihn zu bezahlen.

Genau darin liegt aktuell auch die Gefahr für den englischen Fussball. Man musste auf der Insel so lange auf vernünftige einheimische junge Spieler warten, so dass der jetzige Schwung von einem halben Dutzend guten Talenten sofort mit Erwartungen und Vorschusslorbeeren überfrachtet wurde.

Bis jetzt ist keineswegs gewiss, dass diese Jungspunde auf höchstem internationalen Niveau mithalten können. Die meisten von ihnen können bislang erst eine ordentliche Saison in der Premier League vorweisen, woraus sich mit Sicherheit noch kein Trend ableiten lässt.

Es bedarf also einer vor- und umsichtigen Weiterentwicklung dieses Potentials um irgendwann einmal die sportlichen Früchte daraus ernten zu können. Der jetzige Nationaltrainer Roy Hodgson bringt mit seinen 66 Jahren die nötige Erfahrung und Autorität mit um dieses Projekt erfolgreich und weiterzuführen. Man kann ihm nur wünschen, dass die englische Presse und Öffentlichkeit auch die dafür notwendige Geduld aufbringen wird.

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