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Italiens Fussball stösst an seine Grenzen

Italy Team 2012 Euro

Die italienische Nationalmannschaft hat bei diesem WM-Turnier bewiesen wie weit sie von der internationalen Spitze entfernt ist. Aktuell gibt es nicht viel, was Hoffnung auf eine baldige Rückkehr dorthin machen würde.

Cesare Prandelli ist ein integerer Mann, welcher gleich nach Italiens Ausscheiden aus dem WM-Turnier seinen Posten als Cheftrainer der Nationalmannschaft geräumt hat. Bedauerlich ist das vor allem deshalb weil dieser Prandelli vor vier Jahren angetreten ist um nicht weniger als eine Kulturrevolution im italienischen Fussball durchzuführen.

Zu Beginn seiner Amtszeit erliess er einen Ethikcode welchem die Nationalspieler mit ihrem Verhalten entsprechen mussten. Dadurch wollte er bei diesen ein Bewusstsein für ihre soziale Verantwortung schaffen. Zusätzlich setzte sich Prandelli gegen Homophobie im Fussball ein und verordnete der italienischen Nationalmannschaft einen offensiven und ansehnlichen Spielstil.

Kurzum, Prandelli sah seine Mission nicht nur darin der traditionell erfolgreichen italienischen Nationalmannschaft zu weiterem Titelruhm zu verhelfen, sondern zusätzlich der Squadra Azzura ein positives Image zu verpassen.

Zuerst war diese Mission auch von Erfolg gekrönt und nicht wenige international Beobachter waren über Italiens erfrischend offensive Spielweise bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren angenehm überrascht. Der unansehnliche Catenaccio schien unter Prandelli ausgedient zu haben.

Zwei Jahre später muss nun dieses einst so erfolgsversprechende Projekt als gescheitert gelten. Die italienische Nationalmannschaft spielte uninspiriert und schied vollkommen verdient in der Vorrunde aus. Zudem gab es Schuldzuweisungen der alten Weltmeistergarde um Buffon, Pirlo, Barzagli und de Rossi an die junge Generation der Spieler mit den Riesenkopfhörern. Diese gelten mittlerweile als Symbol für den neuen Spielertyp, welcher sich lediglich auf dem Spielfeld seiner überdimensionierten Kopfhörer entledigt, die einen sonst von allen äusseren Einflüssen abschotten.

Es ist kein Wunder, dass sich nun die Kritik auf den 23-jährigen talentierten Stürmer Mario Balotelli konzentriert, da sich dieser wie kein anderer vor allem als Einzelspieler inszeniert. Balotelli, für den ebenso wie für seinen wiederholt verhaltensauffälligen uruguayischen Counterpart Luis Suarez wohl nie eine akademische Karriere als Alternative zum Fussballprofitum in Frage gekommen wäre, lässt sich nur allzu oft von seiner eignen Lustlosigkeit treiben. Mangelnder Einsatz ist jedoch etwas was man den Weltmeistern von 2006 wie Buffon nie vorwerfen konnte.

Prandelli ist es nicht gelungen diese Spannungen innerhalb seiner Mannschaft auszumerzen und ist nicht zuletzt deshalb an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert. Allerdings muss man auch eingestehen, dass die neue Generation italienischer Nationalspieler einfach nicht die Qualität besitzt um internationale Titel zu erreichen. Ein besseres öffentliches Bild könnten sie aber trotzdem abgeben und daran wird sicher auch Prandellis Nachfolger zu arbeiten haben.

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