Kein Grund zur Schadenfreude

Cesc Fabregas Spain

Der Titelverteidiger Spanien hat sich frühestmöglich aus dem WM-Turnier verabschiedet. Die zu erwartende Häme dafür haben die Spanier allerdings nicht verdient.

Es ist also tatsächlich passiert. Nach drei grösseren Turnieren an deren Ende jeweils der Sieger Spanien hiess, qualifizierten sich die Iberer nun überraschenderweise nicht einmal für das Achtelfinale. Aufgrund zweier Niederlagen gegen die Niederlande und Chile müssen sie nun vorzeitig die Heimreise antreten.

Es war klar dass die sagenhafte Ära des amtierenden Welt- und Europameisters einmal zu Ende gehen würde, aber die Art und Weise wie dies zustande kam überrascht dann doch.

Man kommt nicht umhin das Wort chancenlos zu verwenden um die Darbietung der Furia Roja gegen ihre bisherigen Gruppengegner zu beschreiben. Sowohl Holland als auch Chile machten einen fitteren, aggressiveren und vor allem motivierten Eindruck.

Die Holländer haben wahrscheinlich einen Grossteil ihrer Motivation aus der schmerzhaften Finalniederlage gegen Spanien vor vier Jahren geschöpft, wohingegen für Chile vermutlich schon der Austragungsort auf dem eigenen Kontinent zusätzliche Motivation entfachte.

Spaniens Hauptproblem lag wohl darin, dass etliche Spieler durch die lange Saison der heimischen Liga und der europäischen Klubwettbewerbe körperlich etwas ausgelaugt zum Turnier gekommen sind. Zusätzlich dazu konnten sich einige Schlüsselspieler nach den Turniersiegen bei den Europameisterschaften 2008 und 2012, sowie dem WM-Titel 2010 wohl nicht mehr bis aufs letzte motivieren. Unter all diesen Umständen ist es nicht übertrieben wenn man feststellt, dass am gestrigen Tage eine der beeindruckendsten Fussballären aller Zeiten zu Ende gegangen ist.

Die Spanier sind in den letzten sechs Jahren dem perfekten Fussball so nahe gekommen wie vor ihnen kaum eine andere Mannschaft. Mit ihrem Kurzpassspiel haben sie nicht nur der deutschen Nationalmannschaft zwei Mal in wichtigen Turnieren den Zahn gezogen, sondern auch so ziemlich jede andere grosse Fussballnation beherrscht. Besonders beeindruckend war dabei das 4:0 im EM-Finale vor zwei Jahren gegen Italien, welches eine der grössten Machtdemonstrationen aller Zeiten im Fussball war. Selten zuvor hatte man eine italienische Nationalmannschaft derart chancenlos und konsterniert gesehen, wobei man zeitweise das Gefühl hatte, dass die Spanier mindestens drei Spieler mehr auf dem Platz gehabt hätten.

Aus und vorbei. Was bleibt ist der Glanz vergangener Tage und die Gewissheit, dass der spanischen Nationalmannschaft nun ein grosser personeller Umbruch bevorstehen wird. Wahrscheinlich werden diesem zumindest der Mittelfeldvirtuose Xavi und der jahrelange Tiki-Taka-Endverwerter David Villa zum Opfer fallen.

Ob das endlose Kurzpassspiel unter einem eventuell neuen Trainer ebenfalls auf den Prüfstand kommt, werden die kommenden Monate zeigen. Aktuell mehren sich die Anzeichen dafür, dass dieser Spielstil mittlerweile von zu vielen Mannschaften entschlüsselt worden wäre, aber dafür hat man immerhin sechs Jahre benötigt. Eine Zeitspanne, in der die objektiven Fussballästheten und Systemperfektionisten von den technisch hochveranlagten Spielern der Furia Roja und ihrem Tiki Taka geradezu verwöhnt worden sind. Man wird sie in guter Erinnerung behalten.

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