Traditionelles Schützenfest zum WM-Auftakt

Thomas Muller Germany

Unter vier Toren beginnt die deutsche Nationalmannschaft anscheinend kein WM-Turnier mehr. Bedauerlicherweise hat die Vergangenheit oft gezeigt, dass ein guter Auftakt nicht unbedingt zu einem guten Ende führen muss.

Man hat sich ja fast schon daran gewöhnt, dass die DFB-Elf furios in ein WM-Turnier startet und auch diesmal wurden alle Erwartungen erfüllt. Wie schon bei den letzten drei WM-Turnieren began das deutsche Team das Turnier mit einem Kantersieg.

2002 schlug die Nationalmannschaft im ersten WM-Spiel Saudi Arabien mit 8:0, was zur ersten grossen Miroslav-Klose-Show bei diesen Turnieren wurde. Vier Jahre später setzte es einen 4.2-Erfolg gegen Costa Rica und in Erinnerung blieb vor allem Lahms grandioses Weitschusstor gegen die Ticos.

2010 begann die DFB-Elf das Turnier mit einem überzeugenden 4:0-Sieg gegen Australien, wobei ein gewisser Mesut Özil zum ersten Mal international auf sich aufmerksam machte. Beim jetzigen 4:0 gegen Portugal im ersten deutschen Spiel bei der WM 2014 verdeutlichte nun besonders der dreifache Torschütze Thomas Müller seinen grossen Wert für die Mannschaft.

Natürlich sollte man jetzt nicht das Haar in der Suppe suchen und stattdessen diesen grandiosen Erfolg erstmal einfach so geniessen. Trotzdem besteht die Gefahr, dass auch dieser Rausch am Ende wieder mit einem grossen Kater endet.

Bei den letzten drei Weltmeisterschaften galt die deutsche Mannschaft nach ihrem ersten Spiel jeweils als einer der Favoriten auf den WM-Titel und trug diese Hoffnung meist auch recht lange im Turnier mit sich herum bis dann auf einmal ein ernüchterndes Aus kam.

Während man bei der Weltmeisterschaft 2002 sich noch eher mit unansehlichem Fussball bis ins verlorene Finale gegen Brasilien durchgerumpelt hat, überwog seit 2006 die Erkenntnis, dass schöner und erfolgreicher Fussball auch durchaus hierzulande praktiziert werden kann.

So schaukelten sich die schön anzuschauende und erfolgreichen Auftritte der Kicker und die immer höheren Erwartungen des jubilierenden Anhangs gegenseitig hoch, bis das Team dann im Turnierverlauf irgendwann die Wege von Italien oder Spanien kreuzte. Beide Länder dürften mittlerweile getrost als Inbegriff des Zerstörertums deutscher Fussballtitelträume gelten.

Es bleibt zu hoffen, dass diesmal alles anders wird und die Nationalmannschaft nicht nur zum Turnierbeginn, sondern auch am Ende überzeugt. Über das vorhandene Potential muss man nicht diskutieren und auch Jogi Löw ist als mannschaftlicher Taktgeber eigentlich über jeden Verdacht erhaben. Jetzt muss sich diese erfolgsversprechende Gemengelage nur noch in einem Titel manifestieren. Zeit wäre es dafür.

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