Götterdämmerung in Orange

Sneijder, Robben and De Jong Netherlands

Der aktuelle Weltmeister wird von Holland 45 Minuten lang nach allen Regeln der Kunst vorgeführt. War das schon eine Wachablösung oder nur ein grösserer Ausrutscher?

Warum hat er nur im verlorenen Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid nicht so gespielt? Nicht nur die Bayernfans werden sich angesichts der überragenden Vorstellung von Arjen Robben verwundert die Augen gerieben haben. Immerhin hatte er mit zwei herausragenden Treffern entscheidenden Anteil daran, dass der spanische Weltmeister seine schmerzhafteste Niederlage seit langem erleben musste.

In Zeiten von Tiki Taka und spielenden Halbstürmern beziehungsweise falschen Neunen, setzte der holländische Bondscoach van Gaal auf die fast schon vergessene Idee mit zwei Stürmern zu agieren. Die Tatsache, dass auch Robbens Sturmpartner van Persie doppelt traf, dürfte ihn in dieser Taktikwahl bestätigt haben.

Doch nicht nur das famose Sturmduo sondern auch der junge und vergleichsweise unbekannte Rest der niederländischen Truppe haben auf ganzer Linie überzeugt. Haben wir nun also bereits den amtierenden gegen den kommenden Weltmeister gesehen?

Man sollte sich mit dieser Art von Prognosen noch etwas zurückhalten. Auch für ein 5:1 gibt es nur drei Punkte und die Spanier haben schon bei der letzten Weltmeisterschaft ihr Auftaktspiel verloren – mit bekanntem Ende.

Auch wenn diese spanische Mannschaft in der zweiten Halbzeit sehr lustlos und nur minder motiviert wirkte, könnten genau die jetzt einprasselnde Kritik und Schadenfreude der Motivationsfunke sein, welcher vorher eventuell gefehlt hat. Weltmeister nach einem 1:5 im Auftaktspiel ist schliesslich bisher noch niemand gewesen.

Auf der anderen Seite sollten sich die Holländer ihrer Sache nicht zu sicher sein. Natürlich sind nach diesem Spiel die Chancen nicht kleiner geworden, dass man das Achtelfinale erreicht, aber mit Chile wartet erstmal noch ein unangenehmer Gruppengegner auf die Oranjes, bevor sie es dann im Achtelfinale mit einem motivierteren Gegner als den Spaniern in diesem Spiel zu tun bekommen werden.

Man darf nicht vergessen, dass die Iberer in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft waren und vor dem Ausgleich durch David Silva durchaus das 2:0 hätten erzielen können. Das sie sich nach dem 1:3 ihrem Schicksal ergeben haben ist zwar nicht zu entschuldigen, aber spielgelt mit Sicherheit auch nicht das eigentliche Leistungsvermögen der Furia Roja wieder.

Die Weltmeisterschaft hatte durch die Demontage des amtierenden Titelträgers trotzdem bereits ihr erstes Highlight und dieses Spiel wird mit Sicherheit auch noch für ein Weilchen Gesprächsthema bleiben. Ob es sich tatsächlich als Markierung eines Wendepunktes eignet, wird man aber erst in vier Wochen wissen.

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