Löw nominiert Gevatter Zufall für die WM

Joachim Low 3 Germany

Der endgültige Kader für die Weltmeisterschaft lässt Zweifel am Erfolg der Löwschen Mission aufkommen. Das Prinzip Hoffnung muss anstatt eines klaren Konzeptes herhalten.

Bereits im März diesen Jahres hatte der Bundestrainer festgestellt, dass er aufgrund des Klimas in Brasilien dort nur auf fitte Spieler setzen werde. Nun scheint er allerdings selbst mit seinem Credo (“Bist Du fit, kommst Du mit.”) gebrochen zu haben, beziehungsweise so recht weiss man eigentlich gar nicht mehr ab wann ein Spieler nach Löwscher Auffassung eigentlich unfit ist.

Während nämlich aus besagtem Grund der Spieler Schmelzer aus dem endgültigen WM-Kader gestrichen und auch bereits im Vorfeld auf den seit kurzem wieder trainierenden und spielenden Gomez verzichtet wurde, nimmt Löw die ebenfalls nachweisslich maladen oder unfitten Spieler Neuer, Khedira, Klose, Schweinsteiger und Lahm alle nach Brasilien mit.

Natürlich haben sich diese Akteure in der Vergangenheit für das DFB-Team verdient gemacht, aber die Weltmeisterschaft in Brasilien sollte halt auch kein Betriebsausflug für verdiente Mitarbeiter sein. Dafür findet diese renommierte Veranstaltung zu selten statt.

Löw hatte zwei Jahre Zeit um nach dem Ausscheiden bei der Europameisterschaft eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. Auch die Verletzungen der erwähnten Stammspieler haben sich zum Teil bereits während der Saison abgezeichnet. Dass er jetzt trotzdem auf diese Spieler setzt beweist, dass es wohl keinen ernstzunehmenden Plan B für den Ausfall einiger Stammspieler gibt.

Ebenfalls erstaunlich ist, dass mit Erik Durm und Christoph Kramer zwei Jungspunde, die gerade Mal eine handvoll Bundesligaspiele bestritten haben, auf einmal zu den grossen Hoffnungsträgern in Brasilien zählen. Wenn das gut geht, dann kann sich der Bundestrainer für sein gutes Gespür feiern lassen, aber andernfalls muss er sich schon fragen lassen, ob es denn nicht auch erfahrenere Alternativen gegeben hätte.

Im Kader der nun 23 berufenen Spieler findet sich wenig Erfahrung (Drum, Kramer, Ginter), gepaart mit Formschwäche (Özil, Götze, Khedira) und Spielern im Krankenstand (Neuer, Schweinsteiger, Lahm). Bei bisherigen Turnieren war das eher selten ein Erfolgsrezept um Weltmeister zu werden.

Natürlich hofft man jetzt darauf, dass die verletzten Spieler bis zum Turnierbeginn alle einsatzbereit sein werden und diese dann wie durch ein Wunder im subtropischen brasilianischen Klima sofort wieder ihre gewohnte Leistung zeigen. Ebenso muss man darauf vertrauen, dass die unerfahrenen Drum und eventuell auch Kramer bei ihren Einsätzen auf wundersame Weise sofort WM-Niveau erreichen. Vielleicht klappt ja am Ende alles, aber vielleicht eben auch nicht. Der Erfolg der Nationalmannschaft in Brasilien ist auf jeden Fall von sehr vielen Zufällen abhängig und beruht zudem auf dem Prinzip Hoffnung. Man hätte auch eine andere Strategie wählen können.

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