Analyse der WM-Teilnehmer: Italien - Ein Gastbeitrag von Marcus Guiseppe Tomasin

Italy Team 2012 Euro

Aus drei mach zwei: Italien muss sich bereits in der Gruppenphase mit zwei weiteren ehemaligen Weltmeistern messen. Wird die Squadra Azzurra diesen Härtetest bestehen?

Trainer

Cesare Prandelli hat eine für italienische Verhältnisse geradezu radikale Umwälzung hinsichtlich der Spielweise der Squadra Azzurra vollzogen: Einerseits ist den Verteidigern die berühmt-berüchtigte Blutgrätsche abhanden gekommen, andererseits wird bewusst auf schauspielerische Einlagen im Strafraum bzw. dessen Nähe verzichtet. Motor dieser Entwicklung ist ein vom Trainer exerzierter Ethik-Codex, der ein solch unwürdiges Verhalten unterbinden soll. Prandelli, als dessen Vorbild der offensiv denkende Arrigo Sacci firmiert, hat es sich zu seiner Aufgabe gemacht, die Nationalmannschaft von den Fesseln des Catenaccio zu befreien, damit der italienische Fußball nicht nur Erfolge feiern, sondern schlussendlich auch Respekt und Anerkennung dafür einfordern kann.

Stärken

Italien wird zumindest an einer Konstante festhalten: am Gedanken des Kollektivs. Ein jeder noch so querköpfiger Charakter, sei es ein Balotelli, sei es ein Cassano, hat sich dieser Leitidee unterzuordnen und die letzte Europameisterschaft hat gezeigt, das eine disziplinierte und einsatzfreudige Einheit in der Lage ist, die nötigen Extrameter für einen älteren Spieler wie Andrea Pirlo zu laufen. Komplementär ist davon auszugehen, dass diese Mannschaft mit einem Höchstmaß an körperlicher Fitness in das Turnier gehen wird: so wird berichtet, dass nach einer ohnehin schon ansprechenden Trainingseinheit noch zusätzlich die Sauna aufgesucht wird, um Bedingungen wie beispielsweise im subtropischem Manaus adäquat zu simulieren. Und das in Italien nach wie vor das taktische Florett gegenüber dem Säbel bevorzugt wird, ist angesichts der zu erwartenden Strapazen bei diesem Turnier sicherlich nicht von Nachteil.

Schwächen

Die geringe Breite der Bank könnte zum Problem werden: die Azzurri sind schlichtweg nicht in der Lage, Spieler wie Pirlo oder Thiago Motta gleichwertig zu ersetzen. Zwar verfügt auch Italien mittlerweile über hoffnungsvolle Nachwuchskräfte wie beispielsweise Lorenzo Insigne oder Marco Verratti, doch ob deren Niveau bereits für die internationale Elite ausreicht, ist zumindest mit einem Fragezeichen zu versehen. Auch die Schwäche der Serie A sollte nicht unerwähnt bleiben, da nahezu alle Nationalspieler in der Heimat ihrer Passion nachgehen. Zumeist konnte die Squadra Azzurra gerade dann reüssieren, wenn es mit der heimischen Liga bergab ging; doch ein mangelndes Wettkampfniveau könnte auch auf die Auswahl negativ zurückstrahlen, denn Fußball erfordert mehr als nur Athletik…

Prognose

Sollten die Schlüsselspieler von Verletzungen verschont bleiben, ist zumindest das Erreichen des Halbfinales möglich.

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