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Ronaldinho und die Obdachlosen

Brazilian Flag

Das Beispiel des ehemaligen brasilianischen Weltfussballers zeigt wie konträr die sozialen Unterschiede im WM-Gastgeberland sind.

Obwohl Ronaldinho nicht im Aufgebot für Brasiliens Nationalmannschaft steht, möchte er dennoch Kapital aus der Weltmeisterschaft im eigenen Land schlagen. Im Internet hat er sein Anwesen in einem Vorort von Rio de Janeiro für schlappe 11.300 Euro pro Nacht angeboten. Für die gesamte Dauer der Weltmeisterschaft würde die Luxusunterkunft 335.480 Euro kosten.

Zur gleichen Zeit haben Zehntausende von Menschen in Sao Paolo für eine Verbesserung der Wohnsituation und bezahlbare Mieten demonstriert. Organisator der Protestaktion war die Bewegung obdachloser Arbeiter (MTST). Das Problem ist, dass überall in Brasilien aufgrund der Weltmeisterschaft und den vielen Touristen aus dem Ausland schon jetzt die Mietpreise stark angestiegen sind und die Regierung nichts unternimmt um billigen Wohnraum zu subventionieren.

Aktuell beträgt die monatliche Durchschnittsmiete für eine 1-Zimmer-Wohnung am Stadtrand von Rio knapp 428 Euro. Dabei beläuft sich der durchschnittliche monatliche Nettolohn dort gerade mal auf 651 Euro (Quellen: numbeo.com). Somit ist es nicht allzu verwunderlich, dass viele Familien sehr unter den stark gestiegenen Mieten leiden und es immer mehr Leute gibt die deswegen auf der Strasse landen.

Auch wenn Ronaldinhos Luxushaus mit seiner Fabelmiete sicherlich die Ausnahme darstellt, bedeutet es allerdings auch, dass es anscheinend Personen gibt, die diesen Preis bezahlen können und wollen. Dabei symbolisiert dieses Beispiel ganz gut, dass es zwei Weltmeisterschaften geben wird. Zum einen die der wohlhabenden Minderheit in Brasilien, die das Sportspektakel aktiv geniessen und dabei noch ordentlich etwas verdienen können und zum anderen die der einkommensschwächeren Einwohner ohne vermietbares Wohneigentum, welche mit den erhöhten Lebenshaltungskosten stark zu kämpfen haben.

Wenn man dann sieht, dass die Regierung Brasiliens Schätzungen zufolge mindestens 12 Milliarden Euro für die Fussballweltmeisterschaft ausgeben wird und es im Land gleichzeitig an Investitionen in Bildung, Gesundheitsversorgung, Wohnraum, etc. mangelt, dann kann man schon nachvollziehen warum viele Leute im Land gegen dieses Ausgabenungleichgewicht auf die Strasse gehen.

Ronaldinho ist eigentlich ein Nationalheld in Brasilien, da er massgeblich am Gewinn der Weltmeisterschaft 2002 beteiligt war. Er stammt aus einfachen Verháltnissen und lässt normalerweise keine Gelegenheit aus seinen Patriotismus zu bekunden. Trotzdem zeigt seine Vermietungsanzeige im Internet jetzt wie sehr er sich mittlerweile von der Mehrheite seiner Landsleute entfernt hat. Angesichts der sozialen Missstände und Proteste im Land hätte ein bisschen mehr Demut und Zurückhaltung von ihm als nationaler Ikone sicher nicht geschadet. Stattdessen wird durch solche Aktionen jetzt auch dem Letzten vor Augen geführt, für welche Gruppe von Leuten diese Weltmeisterschaft tatsächlich gedacht ist.

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