FIFA sollte an den Kosten für die Vorbereitung einer Fussballweltmeisterschaft beteiligt werden

Brazilian Flag

Es ist nicht mehr zu legitimieren, dass das Veranstaltungsland alle Kosten tragen und der Weltfussballverband dafür alle Gewinne einstreichen soll.

Selten wurde im Vorfeld eine Fussballweltmeisterschaft so kontrovers diskutiert wie vor dem diesjährigen Turnier in Brasilien. Viele Leute gehen dort auf die Strasse und protestieren gegen die sprunghaft angestiegenen Veranstaltungsausgaben, welche in einem Land mit so zahlreichen sozialen Problemen auch sinnvoller hätten eingesetzt werden können.

Als das Land 2007 den Zuschlag zur Ausrichtung der WM erhielt, war die Euphorie in der fussballbegeisterten Bevölkerung gross. Damals hiess es noch, dass die Veranstaltung das Land knapp 700 Millionen Euro kosten würde. Mittlerweile wurde dieser Betrag fast schon alleine für das neue Stadion in Brasilia ausgegeben, obwohl es dort nicht einmal einen Erstligisten gibt, welcher nach der Weltmeisterschaft davon profitieren könnte.

Neueste Schätzungen besagen, dass das Land am Ende wahrscheinlich bis zu 12 Milliarden Euro für die Ausrichtung des einmonatigen Sportspektakels ausgegeben haben wird, was mehr als 17 mal so viel ist wie ursprünglich angenommen. Gleichzeitig wird von der Bevölkerung immer wieder eindringlich darauf hingewiesen, dass das Land dringend Investitionen in die öffentlichen Bildungs-, Gesundheits- und Wohnraumsektoren nötig hat.

Vom brasilianischen Sportministerium hiess es dazu, dass Brasilien seit 2010 mehr als 260 Milliarden Euro in Bildung und Gesundheit investiert hätte. Umgerechnet würde das bedeuten, dass das Land monatlich knapp sechs Milliarden Euro für diese Bereiche ausgibt, also ungefähr genau die Hälfte wie für die gesamte Fussballweltmeisterschaft.

Ob man dieses Verhältnis nun als gerechtfertigt ansieht oder nicht, sei mal dahin gestellt. Fakt ist, dass weite Teile der Bevölkerung verarmt sind und das Land mit vielen sozialen Problemen zu kämpfen hat. Unter diesen Voraussetzungen ist es nur schwer nachzuvollziehen, warum nun ein internationales Sportereignis mit 12 Milliarden Euro aus öffentlichen Geldern finanziert werden soll, wenn danach viele der neugebauten Fussballstadien keine ausgelastete Nutzung widerfahren.

Die Kosten der Fussballweltmeisterschaft werden vom brasilianischen Staat und seinen Bürgern bezahlt, wohingegen die vermuteten Erlöse von knapp vier Milliarden Euro fast komplett auf das Konto der FIFA gehen. Es ist nur allzu legitim dieses Missverhältnis endlich öffentlich anzuprangern und den Fussballweltverband finanziell und moralisch stärker in die Pflicht zu nehmen.

Wenn sich die FIFA keine gross angelegten öffentlichen Proteste während der WM wünscht, dann sollte sie auf überzogene und kostspielige Organisationsforderungen an das WM-Gastgeberland verzichten und stattdessen als offizieller Ausrichter politische Missstände wie die Zwangsumsiedlung von 250.000 Menschen für die Weltmeisterschaft in Brasilien anprangern.

Es bleibt zu hoffen, dass die Proteste im Vorfeld, und vermutlich auch während, der Weltmeisterschaft den Fokus mehr auf das Ungleichgewicht dieses Belastungs-Profit-Verhältnisses legt. Da die geldfokusierte Altherrengilde um den amtierenden FIFA-Präsidenten Blatter sich jedoch nicht unbedingt den Ruf grosser Reformer und sozialer Mahner erworben hat, sollte im Vorfeld zukünftiger Grossturniere verstärkt öffentlicher Druck auf diese Organisation ausgeübt werden, damit sich solch ein Organisations- und Kostendebakel wie jetzt in Brasilien nicht wiederholt. Die Fussballweltmeisterschaft muss endlich wieder eine Veranstaltung für die sportbegeisterten Massen und nicht nur für die profitorientierten Eliten werden.

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