Notstand auf der 6, aber Verletzungspech darf keine Ausrede sein

Joachim Low Germany

Der Bundestrainer hatte zwei Jahre Zeit ein schlagkräftiges Team für die Weltmeisterschaft zusammenzustellen. Das wäre auch genug Zeit gewesen um mögliche Negativszenarien durchzuspielen und potentielle Lösungen für diese zu entwickeln.

Zweifelsohne ist das Verletzungspech der DFB-Elf vor dieser Weltmeisterschaft höher als es vor anderen Turnieren der Fall war. Trotzdem muss bezweifelt werden, ob der Bundestrainer tatsächlich optimal für dieses Turnier vorbereitet ist.

Besonders im defensiven Mittelfeld entsteht nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Gündogan und Lars Bender, sowie des Fitnessrückstandes von Khedira und Schweinsteiger nach ihren langen Verletzungspausen, so langsam ein Engpass.

Realistisch gesehen gibt es jetzt nur noch Lahm, Kroos und Kramer für diese beiden eminent wichtigen Positionen. Lahm ist eigentlich gelernter Aussenverteidiger, Kroos hat seine Stärken weiter offensiv und Kramer ist mit 20 Jahren und erst einer Bundesligasaison einer der unerfahrensten Spieler im Kader.

Fakt ist, dass das subtropische Klima im Nordosten Brasiliens, wo die deutsche Nationalmannschaft ihre Gruppenspiele bestreiten wird, es eigentlich nicht zulässt unfitte Spieler einzusetzen, besonders nicht für die laufintensiven Positionen im defensiven Mittelfeld. Somit dürften Schweinsteiger und Khedira eigentlich dort nicht zum Stammpersonal gehören. Ob die Alternativen wirklich überzeugend sind, muss man noch sehen.

Im Saisonverlauf hat sich ja bereits abgezeichnet, dass besonders die Spieler Schweinsteiger und Khedira im besten Fall erst knapp vor Turnierbeginn wieder einsatzbereit sein und dann kaum Spielpraxis haben werden. Insofern ist es erstaunlich, dass junge Spieler wie Kramer, Can oder Geiss, welche bei ihren Vereinen alle eine überzeugende Bundesligasaison gespielt haben und von Verletzungspech weitestgehend verschont geblieben sind, nicht von Löw schon vor ein paar Monaten als potentielle Alternativen für diese Positionen getestet wurden.

Es wirkt fast so, als ob der Bundestrainer nur einen unzureichenden Plan B, aber auf keinen Fall einen Plan C, für diese jetzt entstandene Situation hat. Bei zwei Jahren Vorbereitungszeit hätte man das allerdings erwarten dürfen.

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