Calhanoglus Drängen auf einen Klubwechsel ist der Medienberichterstattung über ihn geschuldet

Flag Hamburger SV - Hamburg

Von daher greift die Kritik an ihm als arrogant-selbstbewusstes Talent auch zu kurz. Er glaubte halt einfach was über ihn im letzten halben Jahr geschrieben wurde.

Der erst 20-jährige Calhanoglu war vor der Saison vom Zweitligaaufsteiger aus Karlsruhe zum ambitionierten Hamburger SV in die Bundesliga gewechselt und entwickelte sich dort schnell zu einem Leistungsträger. Da der HSV allerdings nach einer sehr schwachen Spielzeit gerade mal so dem Abstieg entgehen konnte, möchte der junge Türke nun den Klub schnellsmöglich wieder verlassen.

Die Süddeutsche Zeitung hat Calhanoglu bezüglich seiner Karrierepläne so zitiert. "Ich will einfach auch so weit kommen wie Cristiano Ronaldo oder Messi. Ich will auch ein Weltstar werden, über den alles spricht." Ganz schön forsch für einen Spieler, der gerade einmal eine Bundesligasaison auf dem Buckel hat.

Sein Ehrgeiz in allen Ehren, aber erst im Februar verlängerte er seinen Vertrag mit dem HSV bis 2018 und sagte dabei folgendes: "Ich möchte noch lange für den Verein in der Bundesliga spielen und in den kommenden Jahren zu einem festen Bestandteil der Mannschaft werden. In unserer schweren Situation möchte ich auch ein Zeichen setzen."

Jetzt möchte er also ein anderes Zeichen setzen und zu Bayer Leverkusen wechseln um dort in der Champions League zu spielen. Aktuell muss er sich für seinen schnellen Gedankenumschwung viel Kritik gefallen lassen und wird dabei nicht selten der Arroganz und Selbstüberschätzung bezichtigt.

Fakt ist allerdings auch, dass die deutschen Medien an dieser Entwicklung eine grosse Mitschuld tragen. Er wurde schon nach einigen Bundesligaspielen und spätestens nach seinem tollen Freistosstor gegen Dortmund als Prinz Hakan bezeichnet und von vielen Medien hochgejubelt. Die Superlative konnten gar nicht extrem genug sein und es begannen Diskussionen wie schade es sei, dass sich dieser junge Kicker für die Nationalmannschaft der Türkei und nicht für Deutschland entschieden hatte.

Früher musste man sich so einen Ruf in ein paar Spielzeiten durch konstante Leistungen mühsam erarbeiten, aber heutzutage langt es anscheinend schon wenn man als Einäugiger unter einer Horde Blinder ab und zu einen Ball gerade aufs Tor bringt.

Calhanoglu ist zweifelsohne hochtalentiert und vielleicht wird er tatsächlich eines Tages ein Weltstar, aber man tut dem Jungen keinen Gefallen damit wenn man ihn permanent glauben lässt, dass für ihn dahin nur noch ein kleiner Schritt fehlen würde.

Er sieht sich mittlerweile als zu gross für den HSV an, weil er im letzten Jahr überall lesen und hören konnte, dass er eigentlich zu gross für den HSV sei. Welcher 20-jährige hätte sich nicht davon blenden lassen?

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