Wie gerechtfertigt ist die Dortmunder Empörung über das nichtgegebene Tor im DFB-Pokalfinale?

Mats Hummels 2 Germany

Die aktuellen Diskussionen zeigen, dass die Einführung der Torkamera ohne den Videobeweis auch keine Lösung sein kann.

Nachdem ein vermeintliches Tor von Mats Hummels in der regulären Spielzeit nicht gegeben wurde und sich die Dortmunder deshalb um den Pokalsieg gebracht fühlten, werden die Diskussionen um eine Einführung der Torkamera so schnell nicht abebben. Dabei war das gestern ein gutes Beispiel dafür welche Probleme der Videobeweis mit sich bringen könnte.

Zum einen war schon die Entstehung des Freistosses vor Dortmunds Führungstreffer höchst fragwürdig. Zum zweiten befand sich Hummels bei seinem Kopfball wohl knapp im Abseits und zum dritten war sein Kopfball wohl tatsächlich hinter der Linie.

Wenn man nun den Videobeweis einführen würde, dann müsste man den Bayern genauso zugestehen die Abseitsposition Hummels bei seinem Kopfball, sowie die Fehlentscheidung zur Freistossentstehung, nachträglich per Videobeweis zu belegen. Insofern wäre es dann auch irrelevant ob der Ball tatsächlich hinter der Linie war oder nicht, da diese Situation so gar nicht erst entstanden wäre, wenn man bewiesen hätte, dass zuvor der Freistoss ungerechtfertigt war und ausserdem eine Abseitsposition beim Kopfball Hummels vorlag.

Diese Diskussionen könnten dann ewig so weiter gehen. Wenn eine Mannschaft aus einem Konter nach einem ungerechtfertigten Eckball gegen sich ein Tor erzielt, könnte dann der Gegner argumentieren, dass er den Eckball gar nicht hätte bekommen dürfen?

Nachdem im Fussball jede Situation auf der anderen aufbaut, wäre es höchst schwierig, eine Situation getrennt von der anderen zu bewerten. Die Torkamera mag zwar beweisen, ob ein Ball hinter der Linie war oder nicht, aber wenn sein Weg dorthin gar nicht regelgerecht war, dann ist auch die anschliessende Bewertung obsolet.

Hätten wir jetzt bereits die Torkamera und wäre das Dortmunder Tor aufgrund dessen gegeben worden, dann würden sich jetzt die Bayern zurecht darüber aufregen, dass der Freistoss vorher ungerechtfertigt war und Hummels bei seinem Kopfball leicht im Abseits stand.

Insofern sollten die Dortmunder nicht allzu lange über diese Tatsachenentscheidung lamentieren, da zum Zeitpunkt dieser Situation noch genug Zeit war noch ein oder zwei unstrittigere Tore zu erzielen. Ausserdem hätte der FC Bayern nach einem 0:1-Rückstand das Spiel trotzdem noch drehen können, so dass die ganzen jetzt geführten Diskussionen über die vermeintliche Benachteiligung der Schwarzgelben müssig sind. Gestern haben sich die Bayern gegen einen gleichstarken Gegner glücklich durchgesetzt, beim nächsten Mal kann es genau umgekehrt laufen. Dabei sollte man es dann auch belassen.

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