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Bundesliga

Die öffentliche Empörung über Thomas Tuchel ist scheinheilig und unnötig

Coface Arena - Mainz Stand - SV Mainz 05

Der Mainzer Trainer hat mit dem Gedanken gespielt trotz laufenden Vertrages seinen Arbeitgeber zu wechseln und erntet jetzt viel Kritik dafür. Als ob dieser Vorgang im Profifussball etwas Besonderes wäre.

Der Mainzer Erfolgstrainer Thomas Tuchel hat also nach fünf Jahren festgestellt, dass er gerne eine neue Herausforderung hätte. Wer mag es ihm verdenken? Er hat einen Verein, der gerade erst aus der zweiten Liga aufgestiegen war, zu einem dauerhaften Konkurrenten um die Europa-League-Plätze gemacht. In seiner fünfjährigen Wirkenszeit hat sich der selbsternannte Karnevalsverein zweimal für diesen europäischen Wettberwerb qualifizieren können und auch in den drei anderen Spielzeiten war man jedes Mal deutlich vom Abstieg in die 2.Liga entfernt.

Dieser Erfolg hat natürlich das Interesse anderer Vereine geweckt. Es ehrt Tuchel, dass er nicht sofort der ersten Versuchung erlegen und trotz Begehrlichkeiten von grösseren Vereinen so lange in Mainz geblieben ist. Nachdem er nun mit den Mainzern wieder in die Europa League eingezogen ist, verlässt er den Verein auf dem sportlichen Höhepunkt. Niemand aus der Branche wird bezweifeln, dass er jetzt für einen grösseren und ambitionierteren Verein bereit sein dürfte.

Natürlich hätte er seinen Wunsch nicht verheimlichen und mit anderen Vereinen wie Schalke und Leverkusen Geheimverhandlungen führen müssen. In der Sache kann ihn ja jeder verstehen, so dass nur die Form etwas unglücklich war.

Trotzdem ist die jetzt verkündete Empörung von Mainz’ Manager Heidel, mitsamt des demonstrativen Pochens auf den bestehenden Vertrag bis 2015, keine adäquate Reaktion. Christian Heidel ist schon lange genug im Geschäft um zu wissen, dass gebrochene Verträge klarer Bestandteil des Profifussballs und Ablösesummen dann eben die gängige Reaktion darauf sind. Auch in diesem Fall hätte ein interessierter Verein Tuchel einfach aus seinem Vertrag herauskaufen können und es hätte sicherlich nicht einen Anflug von öffentlicher Empörung gegeben.

Das stattgefundene Rumgeeiere kann man eigentlich nur so interpretieren, dass sowohl Schalke als auch Leverkusen nicht hundertprozentig von einer Entlassung ihrer Übungsleiter überzeugt waren und deshalb auch kein konkretes Angebot an Tuchel zustande kam. Trotzdem hätte dieser, ähnlich wie Stuttgarts neuer Trainer Veh, einfach seinen Abschied zum Saisonende ankündigen und dann schauen können, ob nicht ein Verein bereit gewesen wäre eine Ablösesumme für ihn zu bezahlen.

Jetzt hat er zwar einiges an persönlicher Reputation eingebüsst, aber dafür keineswegs als Fussballtrainer. Wenn er Mainz noch eine weitere Saison bis zu seinem Vertragsende trainiert und dabei keinen Erfolg gehabt hätte, dann hätte er eventuell keine so hochkarätigen Angebote bekommen, wie er sie höchstwahrscheinlich bald erhalten wird. Sein Problem war also einfach, dass seine Vertragslaufzeit bei Mainz nicht mit dem Höhepunkt seines sportlichen Wirkens dort geendet hat. Der Verein hätte ihm aus Dankbarkeit für die Leistung der letzten fünf Jahre zwar entgegen kommen können, aber offenbar hat dazu der Wille gefehlt.

Am Ende ist es eigentlich auch egal, da man so oder so Tuchel in absehbarer Zeit bei einem grösseren Verein an der Seitenlinie sehen wird und auch bei Mainz 05 wird sich mit Sicherheit ein Übungsleiter für die nächste Spielzeit finden lassen. Insofern ist diese ganze unnötige öffentliche Empörung vielleicht nur ein Vorgeschmack auf die bevorstehenden aufgeblasenen Geschichten während der spielfreien Zeit im Sommer.

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