Jogis Ritt auf der Rasierklinge

Joachim Low Germany

Der vorläufige Kader für die Weltmeisterschaft in Brasilien steht fest. Darin finden sich erstaunlich viele Debütanten mit gerade mal einer handvoll absolvierter Bundesligaspiele. Ob das mal gut geht?

Natürlich ist es lobenswert, wenn der Bundestrainer auf die forsche Jugend setzt, aber hätte er damit nicht noch zwei Monate warten können? Ist es tatsächlich so klug so viele international unerfahrene Spieler zu einer Weltmeisterschaft mitzunehmen?

Die Situation vor der WM 2010 in Südafrika war ähnlich als ein Grossteil der Spieler, die ein überzeugendes Turnier mit dem dritten Platz beendeten, ein Jahr zuvor mit der U21 Europameister geworden waren. Vielleicht hat sich der Bundestrainer vor seiner Kadernominierung daran erinnert und meint damit auch diesmal richtig zu liegen.

Allerdings ist die Situation nicht ganz vergleichbar. Die talentierten Spieler Meyer und Goretzka von Schalke, Ginter aus Freiburg und der Dortmunder Durm haben nur ganz wenig international Erfahrung und schon gar keinen Titel mit der U21 vorzuweisen. Sie mögen in der Zukunft eventuell erfolgreiche Spieler werden, aber bis jetzt haben sie eben nur ein paar brauchbare Bundesligaspiele absolviert. Ob das als Referenz für eine erfolgreiche WM-Beteiligung reicht, darf stark bezweifelt werden.

Das Verletzungspech einiger etablierter Nationalspieler wie Gündogan oder Gomez hat es verhindert, dass sie in Brasilien etwas zum Erfolg des DFB-Teams beitragen können. Trotzdem hätte es noch andere Spieler gegeben, die sowohl erfahren als vom Verletzungspech verschont geblieben sind und die man deswegen hätte mitnehmen können.

Als Beispiele mögen einem da die Leverkusener Kiessling und Castro einfallen. Besonders Kiessling hätte als kopfballstarker Strafraumstürmer bei engen Spielen eine zusätzliche Waffe sein können.

Man wird sehen wie es läuft in Brasilien. Vermutlich wird die Mannschaft mit einem verkappten Neuner spielen, welcher dann entweder von Müller, Reus oder Götze gemimt wird. Das ist aufgrund der Unerfahrenheit von Volland und der fehlenden Spielpraxis von Klose ja auch noch nachzuvollziehen.

Aber im defensiven Mittelfeld und auf den beiden Aussenverteidigerpositionen darf sich keiner mehr aus der Stammelf verletzen, sonst muss man ausgerechnet beim wichtigsten Fussballländerturnier unerfahrene Debütanten ins kalte Wasser schmeissen.

Wenn das gut geht, dann wird man dem Bundestrainer zu seinem Mut gratulieren. Andernfalls muss er sich danach schon die Frage gefallen lassen, ob es nicht auf der ein oder anderen Position auch ein gestandener Bundesligaspieler mit mehr Erfahrung getan hätte. Mal schauen wie viele Neulinge sich letztendlich im endgültigen WM-Kader finden werden.

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