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Fussball und Gesellschaft: Solidarischer kollektiver Bananenverzehr wird Rassismus im Fussball nicht besiegen

Dani Alves

Viele Fans und Prominente haben Fotos veröffentlicht auf denen sie aus Solidarität mit Dani Alves eine Banane essen. Diese Aktion zeigt die Oberflächlichkeit politischen Handelns heutzutage.

Barcelonas brasilianischer Aussenverteidiger Alves wurde am Sonntag Ziel einer rassistischen Beleidigung als ihm beim Auswärtsspiel seiner Mannschaft in Villareal vor dem Ausführen eines Eckstosses eine Banane zugeworfen wurde. Seine Reaktion war, dass er diese aufgehoben und gegessen hat. Für dieses lässige Verhalten wird er jetzt weltweit gefeiert und mit Solidaritätsbekundungen überhäuft.

Tatsächlich haben sich seitdem zahlreiche Fussballfans, Politiker und Fussballspieler, wie z.B. Neymar oder Lewandowski beim eigenen Verzehr einer Banane ablichten lassen um dadurch ihre Solidarität mit Alves zu bekunden. Das mag ja alles ganz nett und gut gemeint sein, aber das eigentliche Problem wird man dadurch kaum lösen können.

Der spanische Fussball kämpft jetzt schon seit Jahren mit einem grossen Rassismusproblem. Bereits 2006 drohte Barcelonas damaliger Stürmer Samuel Eto’o damit das Spielfeld zu verlassen, nachdem er beim Auswärtsspiel in Saragossa permanent Affenlaute zu hören bekam. Auch wenn das Thema danach kurz hochkochte, hat sich nicht wirklich etwas an den Umständen geändert, da diese Laute auch heute noch Alltag in Spaniens Fussballstadien sind.

Anstatt nun allseits Fotos von bananenessenden Menschen zu posten, sollte man echten Druck auf den spanischen Fussballverband ausüben, damit sich an dieser Situation nachhaltig etwas ändert und sie nicht nur eine kurze Welle der medialen Aufmerksamkeit bekommt. Der spanische Verband sollte die Clubs für die Vorfälle mit Zuschauerverbot oder im Wiederholungsfall sogar mit Punktabzug bestrafen, so dass diese dann gezwungen wären über die eigene Fanszene in den Stadien zu reflektieren und gewisse Elemente aus diesen dauerhaft zu verbannen. Bislang werden solche Vorgänge stets als bedauernswerte Einzelfälle behandelt, so dass dann nach einer harten Individualstrafe gegen den Täter wieder zur Tagesordnung übergegangen wird.

Dass es sich bei diesem Problem aber nicht nur um ein paar verstreute Einzelfälle, sondern um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt, hat Dani Alves kurz nach der Aktion vom Wochenende dem brasilianischen Sender Radio Globo verraten. “Es gibt viel Rassismus gegen Ausländer. Sie (die Spanier) verkaufen sich als Erste-Welt-Land, aber in vielen Dingen sind sie sehr rückständig.”

Natürlich gibt es auch in anderen Ländern ausser Spanien Rassismus in den Fussballstadien und umso mehr muss man diesen überall mit härtesten Mitteln bestrafen, wobei die nationalen Fussballverbände gemeinsam mit den Fanvertretern und den Fussballvereinen nach einer ernst gemeinten und dauerhaften Lösung suchen müssen.

Das Posten von Selfies beim Bananenverzehr gehört sicherlich nicht dazu und ist eher noch kontraproduktiv, da somit einem ernsten gesellschaftlichen Problem auf einer oberflächlichen Eventebene begegnet wird. Oder glaubt man ernsthaft, dass zukünftig weniger rassistische Rufe durch europäische Fussballstadien hallen werden, nur weil im Internet jetzt einige Leute Fotos von sich beim Bananenverzehr veröffentlichen?

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