Man sollte mal die Kirche in Rom lassen, welches bekanntlich auch nicht an einem Tag gebaut wurde

Guardiola Close Up

Die ganzen Kritiken an Guardiola nach dem Champions-League-Spiel gegen Real Madrid sind genauso verwunderlich wie die überschwenglichen Lobeshymnen auf ihn davor.

Der FC Bayern hat 0:1 gegen Real Madrid in der Champions League verloren und schon kann man lesen warum unter Guardiola alles viel schlechter ist (ausser dem Halbfinalgegner in der Champions League) als unter Heynckes.

Das ist vor allem deshalb so erstaunlich, weil man die neun Monate davor permanent lesen konnte inwiefern Guardiola die Bayern nach Heynckes nochmal weiterentwickelt hat. Diese Schnelllebigkeit der Sichtweisen ist selbst für das extrem schnelllebige Fussballgeschäft neu. Durch ein bisschen mehr Nüchternheit bei der Bewertung des Geschehenen könnten sich solche extremen Ausschläge nach oben und unten auf der Expertenbeurteilungsskala sicher vermeiden lassen.

Es mag überraschen, aber auch Real Madrid hat sich dem Profifussball verschrieben, so dass auch dort jeden Tag an der Verbesserung des eigenen Teams gefeilt wird. Ausserdem beschäftigt der spanische Traditionsclub ebenfalls extrem teure und talentierte Fussballer und selbst auf der Trainerbank haben sie mit Carlo Ancelotti einen erfahrenen und erfolgreichen Übungsleiter sitzen, welcher in dieser Funktion bereits in Italien, England und Frankreich Landesmeister geworden ist.

Woher leitet sich also der Anspruch ab, dass man diesen Gegner auf Augenhöhe unbedingt schlagen müsste? Und wieso wird ein Misslingen dieses tollkühnen Plans sofort dem davor so erfolgreichen Bayerntrainer angekreidet?

Fakt ist, dass die Bayern gegen Real keineswegs schlecht gespielt haben, aber eben nicht das nötige Glück hatten um mindestens ein Unentschieden zu erreichen. Wenn sich zwei gleichstarke Mannschaften duellieren, dann sind es eben Nuancen die das Ergebnis bestimmen. Hätte Boateng Ronaldos Pass auf Coentrao verhindert, dann wäre das 0:1 so nicht gefallen und hätte Götze in der 84. Minute ein bisschen weniger zentral aufs Realtor gezielt, dann wäre der deutsche Meister am Ende vielleicht sogar als Sieger vom Platz gegangen und alle Guardiolakritiker hätten stattdessen die taktische Finesse des Coaches gelobt.

Hätte, hätte, Fahrradkette. So ein Spiel kann eben einfach mal 0:1 ausgehen und beim Rückspiel am Dienstag kann es ja auch genau umgekehrt laufen. Ausserdem handelt es sich immer noch um Guardiolas erste Saison bei Bayern und in dieser gleich lautstark das Triple zu fordern, ist vielleicht doch etwas übertrieben. Die geschäftsbelebende Konkurrenz schläft schliesslich nicht.

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