Prinzen statt Rod Stewart

Frankenstadion - 1. FC Nurnberg

Nürnberg schlägt jetzt andere Töne an und hat den Cheftrainer nochmal drei Spiele vor Saisonschluss gewechselt. Ob das so klug war?

Optisch erinnerte Gertjan Verbeek, der seit gestern ehemalige Trainer von Nürnberg, vor allem durch seine Beinahefrisur sehr an den international erfolgreichen Balladenbarden Rod Stewart. Und tatsächlich schien mit ihm ein bisschen mehr Glamour und Unterhaltungsfaktor beim zuletzt sehr biederen Club eingekehrt zu sein.

Er verpasste der Mannschaft einen offensiven Spielstil und schaffte es die Fans mit seiner locker humorvollen Art für sich zu erobern. Trotzdem war die Ausgangslage als er kam bereits recht düster. Die Rückrunde begann die Mannschaft noch sieglos auf dem letzten Tabellenplatz, aber schnell war die Handschrift des neuen Trainers erkennbar und nach vier Siegen in fünf Spielen fanden sich die Franken plötzlich auf dem 12. Tabellenplatz wieder. Es schien als hätte man sich der gröbsten Abstiegssorgen bereits entledigt.

Heute wissen wir dass das ein Irrtum war und sich die Nürnberger nach 8 Niederlagen in den letzten 9 Spielen auf Platz 17 und damit wieder mitten im Abstiegskampf befinden. Aus diesem Grund wurde der schillernde holländische Trainer durch den grundseriösen Roger Prinzen, einem Nachwuchscoach aus den eigenen Reihen, ersetzt.

Diese Entscheidung mag zwar aufgrund der negativen Tendenz nachvollziehbar sein, aber dadurch haben sich die Franken der Möglichkeit beraubt, unter einem Konzeptcoach mittelfristig einen offensiven und erfolgreichen Fussball zu spielen. Beides kennt man am Valzner Weiher nur noch aus Legenden und Verbeek hätte tatsächlich das Zeug gehabt, diese wieder mit Leben zu füllen.

Stattdessen wird jetzt die interne Lösung Prinzen/Mintal versuchen mit viel Kampf und Defensive den Abstieg doch noch zu verhindern. Selbst wenn dies überraschenderweise gelingen sollte, stünden sie im Sommer wieder mal vor einem Neuanfang in Nürnberg.

Das aktuelle Trainerduo wird dann wahrscheinlich wieder ins zweite Glied zurückkehren und der Sportdirektor Bader wird hoffen mit der nächsten Trainerverpflichtung mehr Glück zu haben.

Bedauerlicherweise wird er dann wahrscheinlich nicht mehr den Mut aufbringen, einen erfrischenden Charakter wie Verbeek zu verpflichten. Dieser wird eventuell bald woanders weiterrocken, während man in Nürnberg in drei Wochen vermutlich wieder den dort nur allzu bekannten Abstiegsblues hören wird.

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