Der Hamburger SV schnuppert am ersten Bundesligaabstieg der Vereinsgeschichte

Imtech Arena exterior - Hamburger SV - Hamburg

Der schlafende Riese war noch nie weiter vom Aufwachen entfernt. Bei dem Umfeld und den Entwicklungsmöglichkeiten ist es schon eine Kunst so wenig daraus zu machen.

Man nehme die zweitgrösste Stadt Deutschlands, welche gleichzeitig eine internationale Handelsmetropole ist. Die Stadt hat einen der grössten Häfen Europas und auch ansonsten viel Lebensqualität zu bieten. Der grösste Fussballverein dort hat ein schickes Stadion mit begeisterungsfähigem Publikum und einer weitreichenden Tradition, da er das einzige Grúndungsmitglied der Bundesliga ist, welches noch nie aus derselbigen abgestiegen ist. Sprich, die Voraussetzungen dort einen international erfolgreichen Fussballverein zu führen sind so gut wie sonst kaum in einer anderen Stadt in Deutschland.

Trotzdem sieht die Wirklichkeit für den HSV ganz anders aus und man könnte aktuell nicht weiter weg sein von internationalem Ruhm. Es wurde schon viel geschrieben über die vielen internen Machtkämpfe, die verfehlte Einkaufs- und Trainerpolitik und die vielen blutleeren Auftritte der Mannschaft. Trotzdem muss man sich fragen, ob es wirklich so schwer ist mit diesen Möglichkeiten regelmässig nicht wenigstens einen soliden Mittelfeldplatz zu bekommen.

Andere Mannschaften wie Mainz, Augsburg oder Freiburg haben mit Sicherheit nicht die Infrastruktur und Möglichkeiten wie der HSV und schaffen es trotzdem vor den Hamburgern zu stehen. Eigentlich müsste man beim HSV doch längst gelernt haben, dass im Zweifelsfall motivierte Durchschnittsspieler, die in jedem Spiel alles geben, für den Erfolg des Vereins hilfreicher sind als launische Diven oder unmotivierte Trainer.

Gerade die einzigen Lichtblicke dieser trostlosen Saison, nämlich die beiden Youngster Calhanoglu und Lassoga, sollten dem Verein zeigen, wie eine zukünftige Personalpolitik aussehen sollte. Junge und hungrige Spieler von ambitionierten Zweitligisten oder etablierten Erstligisten sind im Zweifelsfall sicher die bessere Variante als grosse Namen, die schon ihren Zenit überschritten haben.

Der HSV hielt sich in den letzten Jahren selbst dann noch für eine grosse Adresse im Fussball als schon längst klar war, dass er dies de facto einfach nicht mehr ist. Verzerrte Wahrnehmungsstörung gepaart mit sportlicher Inkompetenz führte dann zu solchen Resultaten.

Aktuell können sie nur aus der Schwäche der anderen Mannschaften im Abstiegskampf Hoffnung schöpfen, aber vielleicht ziehen sie ja nach dieser Saison tatsächlich die richtigen Schlüsse. Das kolportierte Interesse an zwei guten aber weitgehend unbekannten Spielern aus Augsburg und die jüngste Trainerverpflichtung des sachlich ruhigen und zugleich kompetenten Slomka könnten Indizien dafür sein. Mal schauen wie lange diesmal alle Beteiligten im Verein an einem Strang ziehen.

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