Rumgezicke zwischen Dortmund und Bayern

Borussia Dortmund V Bayern Munich2

Wer wem wann wieviel zu wieviel Prozent Zinsen geliehen hat und dies dann wann, wo und um wieviel Uhr zurückbezahlt wurde, ist Kindergarten für Fortgeschrittene.

Bayerns Vereinsbosse Sammer, Hopfner und Rummenigge liefern sich jetzt schon seit Tagen ein hitziges Duell in den Medien, in dem es um die Deutungshoheit der Konditionen eines Kredits von Bayern München an Borussia Dortmund ging. Der Kredit belief sich damals auf zwei Millionen Euro und ist mittlerweile längst zurückbezahlt worden, aber das spielt bei dieser ganzen Diskussion ja längst keine Rolle mehr.

Die Verantwortlichen des aktuellen deutschen Meisters nehmen für sich in Anspruch, den mittlerweile ärgsten nationalen Konkurrenten mit diesem Kredit vor dem geweihten Untergang bewahrt zu haben, wohingegen die Dortmunder Seite die Bayern aufgrund des angeblich hohen Zinssatzes eher als Kredithaie denn als altruistische Wohltäter sehen.

Um seinen argumenten Nachdruck zu verleihen bedient man sich bei der Beschreibung der jeweiligen Akteure des anderen Vereins historischer Figuren und stellt dabei die Nichtkongruenz zu diesen in den Vordergrund. So belehrte uns Dortmunds Manager, dass Bayerns ehemaliger Manager und Präsident Hoeness KEINE Mutter Theresa sei, was wiederum Bayerns designierten neuen Prásidenten Hopfner auf den Plan rief, welcher uns wissen liess, dass man Watzke NICHT mit dem Baron von Münchhausen vergleichen könnte, da der Hang zur Unwahrheit beim Dortmunder Kollegen deutlich stärker ausgeprägt sei als bei der historischen Vater aller Lügen. Wahrscheinlich wird man auf diesem Wege in den nächsten Tagen noch erfahren, dass es sich bei Sammer nicht um Lady Di und bei Rummenigge nicht um Nelson Mandela handelt.

Als neuer Höhepunkt teilte jetzt die Dortmunder Seite mit, dass sie nicht mit den Vereinsbossen von Bayern wie sonst üblich vor dem heutigen Spiel beider Mannschaften essen gehen werden, was eine direkte Reaktion auf die beleidigenden Aussagen des zukünftigen Bayernpräsidenten darstellt. Auch wenn es bisher so noch nicht ausgesprochen wurde, ist zu befürchten, dass sie sich nach dem Spiel auch nicht auf dem Spielplatz oder an der Eisbude treffen werden.

Einen gewissen Unmut kann man als Aussenstehender ja sogar noch nachvollziehen. So hätte der FC Bayern natürlich nicht Jahre später mit der Geschichte vom Kredit an den BVB hausieren gehen müssen. Schliesslich haben sie vor ein paar Jahren nach der finanziellen Unterstützung für den quasi insolventen FC St. Pauli auch kein T-Shirt mit der Aufschrift Weltpokalsiegerbesiegerretter rausgebracht. Ausserdem, wer möchte schon gerne daran erinnert werden, dass er vor Jahren mal in der misslichen Lage war dringend Geld benötigt zu haben.

Auf der anderen Seite hätten die Dortmunder das Ganze aber auch mit einem „danke nochmal und jetzt bitte wieder zurück zur Tagesordnung“ abbügeln können anstatt dem FC Bayern die damalige Einforderung eines Fabelzinses für diesen Kredit zu unterstellen.

Gottseidank rollt an diesem Nachmittag wieder der Ball zwischen beiden Mannschaften, so dass sie sich danach wieder über vermeintliche Schiedsrichterfehlentscheidungen, unnötige Fouls und unfaires Verhalten der Spieler streiten können. Kaum zu glauben, aber angesichts der unsäglichen Diskussionen beider Parteien in den letzten Tagen, freut man sich als Aussenstehender fast schon darauf.

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