Guardiolas riskante Strategie vor dem Champions-League-Spiel gegen Manchester United

Guardiola Close Up

Bayern hat keines seiner letzten drei Spiele gewonnen. Ist das die erste Krise unter dem spanischen Trainer?

Die letzten drei Resultate waren nicht wirklich die Ergebnisse, die man vom aktuellen Champions-League-Sieger erwarten würde: 3-3 gegen Hoffenheim, 1-1 in Manchester und jetzt 0-1 in Augsburg. Das letzte Ergebnis bedeutet das Ende einer beeindruckenden Serie von 53 Bundesligaspielen ohne Niederlage. Es war zwar klar, dass dieser Tag einmal kommen würde, aber drei Spiele in Folge ohne Sieg ist etwas, was den Bayern seit drei Jahren nicht mehr passiert ist. Unter Heynckes hatten sie diese Situation nie.

Natürlich kann man nun darauf hinweisen, dass die Bayern bereits die Meisterschaft gewonnen haben und deshalb mehr auf die Champions League und den DFB-Pokal fokussiert sind. Diese Einstellung kam in den interviews nach dem Spiel gegen Augsburg klar zum Vorschein. Guardiola bezeichnete das Ergebnis gegen Augsburg als “nicht so wichtig”, ganz im Gegensatz zum Spiel gegen Manchester am Mittwoch. “Das ist ein Finale, da geht es um Tod oder Leben.”

Auch Bayerns Spieler scheinen diese Meinung zu teilen. Toni Kroos sagte nach dem Spiel am Samstag, dass “nichts Schlimmes passiert” ist und Bayerns Torwart Neuer war anscheinend derselben Auffassung. “Das Wichtigste ist, dass sich niemand verletzt hat. Es geht nur um Mittwoch – alles andere ist unwichtig.” Wenigstens Thomas Müller hat etwas kritischere Tone für Bayerns Leistung gefunden, aber auch er stellte sofort eine Verbindung zum Spiel gegen United her. “Die entscheidenden Zentimeter haben gefehlt, aber wenn wir am Mittwoch weiterkommen, dann haben wir alles richtig gemacht.”

Guardiolas Strategie wird klar, wenn man solche Aussagen hört. Das Team hat offenbar bereits an das Spiel gegen United gedacht, obwohl sie vorher noch eine Bundesligapartie zu absolvieren hatten. Jeder ist nur noch auf das grosse Ziel in der Champions League konzentriert, aber wird es tatsächlich so leicht für die Bayern sein, am Mittwoch vom Trainings- wieder in den Wettkampfmodus umzuschalten?

Die Mannschaft hatte bereits ihren Rhythmus und durch die Rotation wurde sichergestelllt, dass jeder Spieler seine notwendigen Ruhepausen bekam. Jetzt scheint es so als ob sich die Spieler mental ausruhen, obwohl sie gerade auf dem Spielfeld stehen. Gegen Augsburg standen immerhin noch die Stammspieler Neuer, Schweinsteiger, Kroos, und Mandzukic in der Startelf und in der zweiten Halbzeit wurden dann nochmal Götze, Alaba und Müller eingewechselt. Trotzdem war Neuer der einzige Akteur, der Normalform erreichte und eine sogar noch höhere Niederlage verhinderte. Das Problem war offensichtlich nicht die Startaufstellung – obwohl alle drei aufgebotenen Jugendspieler nicht überzeugen konnten – sondern die Einstellung der Spieler auf dem Feld; genau dieselbe Einstellung, die Guardiola in den Interviews danach zeigte.

Bis jetzt wurde er dafür nur von anderen Bundesligavertretern kritisiert, aber falls seine Mannschaft am Mittwoch gegen United nicht konzentrierter und agressiver zu Werke geht, dann müsste er seine Strategie wohl auch vor Bayerns Fans und den Verantwortlichen im Verein verteidigen. Dieses Risiko hätte er wahrlich nicht wählen müssen.

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