Barcelonas Transfersperre zeigt genau was derzeit im Weltfussball falsch läuft

FC Barcelona

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass diese Entscheidung der FIFA nicht scheinheiliger sein könnte.

Die FIFA hat Barcelona mit einer 14-monatigen Transfersperre belegt, da der Club minderjährige Fussballer aus dem Ausland verpflichtet hat. Es handelte sich dabei um zehn Spieler aus Asien, Afrika, Südamerika and Europa, welche zwischen 2009 und 2013 vom katalanischen Verein ins vereinseigene jugendinternat La Masia aufgenommen wurden. Damit hat der aktuelle spanische Meister gegen FIFA-Recht verstossen, welches besagt, dass ein Verein erst Spieler ab einem Alter von 18 Jahren verpflichten kann. Zusätzlich zur Transfersperre, welche für die nächsten beiden Transferperioden gilt, muss der Verein noch eine Strafe von 370.000 Euro bezahlen.

Es ist wirklich nichts Neues, dass Barcelona, und andere europäische Topvereine wie beispielsweise Chelsea 2009 Jugendspieler aus anderen Ländern verpflichten. Die Frage ist warum die FIFA nicht früher reagiert hat? Jeder kennt Messis Geschichte, dass er als 13-jähriger aus Argentinien zu Barcelonas Fussballinternat La Masia gekommen ist und auch einige der jetzt genannten zehn Jugendspieler wurden bereits vor fünf Jahren verpflichtet. Warum hat die FIFA so lange gebraucht um etwas zu untersuchen, was nicht einmal ein Geheimnis war? Was ist ihre tatsächliche Motivation um genau jetzt aktiv zu werden?

Wenn die FIFA wirklich um Menschenrechte besorgt wäre, dann hätte sie schon Druck auf den zukünftigen WM-Gastgeber Katar ausgeübt nachdem die ersten Medienberichte über die fürchterlichen Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter, welche vor Ort die neuen Fussballstadien bauen, aufkamen. Genauso gab es auch Berichte über Menschenrechtsverletzungen wie zum Beispiel Zwangsumsiedlungen vor der WM 2010 in Suedafrika. In diesen beiden, und vielen anderen, Fällen hat die FIFA durch ihre Passivität gezeigt, dass sie mehr am ökonomischen Aspekt einer Weltmeisterschaft interessiert ist, anstatt sich um die Einhaltung der Menschenrechte bei dieser zu kümmern .

Warum sollte sie sich ausgerechnet jetzt den minderjährigen Jugendspielern Barcelonas annehmen, welche mit dem Einverständnis ihrer Eltern dorthin gegangen sind? Anstatt sich für Fälle zu interessieren, bei denen tatsächlich Menschen im Namen des Fussbals zu Schaden kamen, konzentrieren sie sich auf diese minderjährigen Spieler, welche aus vorwiegend wirtschaftlich unterentwickelten Ländern kommen und nun die einzigartige Möglichkeit haben, in einer sicheren Umgebung Profifussballer zu werden. Keiner dieser zehn Jugendspieler wurde dazu gezwungen zu Barcelona zu gehen, sondern stattdessen war es eine reelle Chance für sie um sich ihren Traum vom zukünftigen Profifussball in einer hochprofessionellen Umgebung zu erfüllen.

Diese Scheinheiligkeit der FIFA ist nicht neu und sehr typisch für die Organisation unter ihrem machtbesessenen Präsidenten Blatter. Die Tatsache, dass die UEFA letzte Woche den Start der Nations League, einem Nationalmannschaftsturnier in welchem nur europäische Vertreter gegeneinander spielen, für das Jahr 2018 beschlossen hat, wurde umgehend als Versuch gewertet die Macht der FIFA zu untergraben. Hintergrund ist, dass der aktuelle UEFA-Präsident Platini im nächsten Jahr in einer Kampfabstimmung dem jetzigen Amtsinhaber Blatter seinen Posten als FIFA-Präsident streitig machen möchte. Aus diesem Grund gibt es jetzt schon seit längerer Zeit Machtkämpfe zwischen diesen beiden internationalen Fussballverbänden. Einige Zeitungen in Deutschland haben bereits darüber spekuliert, dass die jetzt von der FIFA verhängte Transfersperre gegen Barcelona eine Retourkutsche und Machtdemonstration als Antwort auf die Einführung der Nations League war.

Die wirklichen Opfer dieser ganzen Geschichte sind die zehn Jugendspieler, welche von ihrem Verein Barcelona erstmal vom Spielbetrieb zurückgezogen wurden bis sich der ganze Sachverhalt eindeutig geklärt hat. Wenn denn die FIFA tatsächlich an ihrem Schicksal interessiert wäre, dann würde sie das erhobene Bussgeld diesen Spielern als Kompensation zukommen lassen, aber bedauerlicherweise steht der Fussballweltverband aktuell mehr für scheinheiliges als für solidarisches Handeln.

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