Aschenputtel verlässt den Tanz

Dortmund Flag

Nach Dortmunds deutlicher Niederlage gegen Real werden wieder Stimmen laut, die eine Öffnung der Bundesligavereine für ausländische Investoren fordern. Was wären die Konsequenzen davon?

Dortmunds Trainer Juergen Klopp bemüht ja gerne mal Vergleiche aus dem Märchen- und Fabelwesen um die Rolle seiner Borussia zur Konkurrenz zu beschreiben. Im Vergleich zu den Bayern sah er den BVB mal als Robin Hood an und diesmal wählte er vor dem Champions-League-Viertelfinalspiels seiner Borussia die Märchenfigur des armen Aschenputtels, das vom königlichen Real Madrid zum Tanz gebeten wurde.

So unrecht hat er mit diesem Vergleich gar nicht mal, da alleine die zwei Realspieler Ronaldo und Bale soviel wert sind wie die komplette Dortmunder Mannschaft. Die prophezeite Chancenlosigkeit der Dortmunder rührt von den unterschiedlichen finanziellen Handlungsspielräumen der beiden Mannschaften. Nachdem Fussball in erster Linie ein Geschäft ist, spielen also die teuersten und besten Spieler bei den finanzstärksten Vereinen.

Real Madrid bezieht sein finanzielles Potential daraus eine Weltmarke und traditionell einer der grössten Fussballclubs der Welt zu sein, wobei natürlich die Steuerfreiheit für Fussballvereine in Spanien sicherlich auch kein Nachteil ist. Die anderen beiden Mannschaften im gestrigen Champions-League-Viertelfinale hatten dahingegen keine organische Wachstumsentwicklung hinter sich, sondern leben von den üppigen Geldern ihrer ausländischen Investoren. Im Falle von Chelsea London wäre das der russische Oligarch Roman Abramovich und bei dem heute siegreichen Gegner Paris St. Germain eine Investorengruppe aus Katar.

Durch diese Investitionen wurden diese Durchschnittsvereine erst auf die europäische Landkarte gehievt und jetzt stellt sich die Frage, ob die Bundesligavereine nicht auch auf diese Methode zurückgreifen sollten um dauerhaft international wettberwerbsfähig zu sein. Unberührt von solchen Überlegungen wäre natürlich der deutsche Branchenprimus FC Bayern, welcher es auch ohne ausländische Investoren geschafft hat, sportlich und finanziell mit den anderen Fussballschwergewichten in Europa mitzuhalten.

Wenn man die aktuelle 50+1-Regel, die es Investoren erlaubt maximal 49% eines deutschen Fussballclubs und somit keine reelle Entscheidungsgewalt zu erwerben, aufheben würde, dann gäbe es sicherlich genug ausländische Investoren, die an einem Club der boomenden Bundesliga interessiert wären. Allerdings würden die Vereine dadurch das Heft des Handelns aus der Hand geben. Das Beispiel des spanischen FC Malaga hat gezeigt, was passieren wenn ein ausländischer Geldgeber plötzlich das Interesse an seinem Investitionsobjekt verliert.

Der arabische Klubeigentümer Al Thani steckte nach dem Kauf des Vereins 150 Millionen Euro in die Mannschaft und schaffte es dadurch, dass sich Malaga letzte Saison für das Champions-League-Viertelfinale qualifizierte. Allerdings verlor er danach das Interesse an dem Club, beschloss plötzlich kein Geld mehr für den Verein auszugeben und diesen stattdessen zu verkaufen. Der Verein konnte daraufhin nicht mehr die hohen Personalkosten bedienen, musste seine besten Spieler verkaufen und wurde von der UEFA wegen Verstosses gegen die neuen Financial-Fair-Play-Richtlinien vom Europapokal ausgeschlossen. Diese Saison spielt Malaga in in der spanischen Liga gegen den Abstieg und vom ehemaligen Glanz sind nur noch Erinnerungen und hohe Schulden übrig.

Vor diesem Hintergrund sollte es sich die Bundesliga schon zwei Mal überlegen, ob eine Öffnung für ausländische Investoren tatsächlich der Königsweg ist. Der Preis für permanente Teilnahmen am Königsball könnte für die Aschenputtels der Bundesliga nämlich sehr hoch sein.

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