Leberwürste im Abstiegskampf

Badenova Stadion, SC Freiburg

Das Verhalten einiger Bundesligatrainer zeigt eine erstaunliche Korrelation: der Hang zum Beleidigtsein steigt mit der unbefriedigenden Tabellenposition des eigenen Teams.

Am Samstagabend gab es nach dem Spiel zwischen Freiburg und Nürnberg ein besonderes Spektakel zu bewundern. Der niederländische Trainer der Franken, Gertjan Verbeek, richtete nämlich nach der Niederlage gegen die Breisgauer nicht seinen Wut wie branchenüblich auf den Unparteiischen, sondern unterstellte dem Freiburger Trainer Christian Streich ihn während des Spiels beschimpft und beleidigt haben. Deswegen werde er sich in der Pressekonferenz nicht neben diesen Mann setzten, welchem er im selben Atemzug auch noch den Kollegenstatus absprach. Darüberhinaus kündigte er gleich mal an, dass er im Falle einer Entschuldigung seines Nichtkollegen, diese keinesfalls annehmen werde.

Der verdutzte Herr Streich bezichtigte in seiner ersten Reaktion den Nürnberger Kollegen der Falschdarstellung und wies jegliche Schuld weit von sich. Die Wahrheit bewegt sich wohl zwischen diesen beiden Aussagen. Unabhängig davon wie sehr der holländische Trainer tatsächlich mit dem stark augeprägten badischen Dialekt von Herrn Streich vetraut sein mag, darf man nicht vergessen, dass letzterer kein unbeschriebenes Blatt ist und sich mittlerweile durchaus einen Ruf als Seitenliniencholeriker gemacht hat. Ausserdem gäbe es ja auch keinen Anlass für Herrn Verbeek sich das Ganze komplett auszudenken. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch fragwürdig alle eventuellen Entschuldigungsabsichten des Freiburger Pendants von vornherein als überflüssig zu bezeichen. Normalerweise sollten Meinungsverschiedenheiten zwischen erwachsenen Männern ein wenig seriöser ausgetragen werden.

Da past es nur zu gut ins Bild, dass auch der Trainer des Tabellenletzten aus Braunschweig deutlich seinen Missmut zum Ausdruck brachte, nachdem ihn der Schiedsrichter im Spiel seiner Eintracht gegen Leverkusen auf die Tribüne verbannt hatte. Genauso wie der Kollege aus Nürnberg hat er gleich angekündigt, dass er eine eventuelle Reaktion, in diesem Fall eine Geldstrafe des DFB, missachten werde. Schliesslich sei er sich keines Fehlverhaltens bewusst.

Dieses beleidigte Kindergartengebahren sollte eigentlich nicht in solch einer Funktion öffentlich zur Schau getragen werden, zumal ja so ein Fussballtrainer auch einen gewissen Vorbildcharakter hat. Stattdessen ist wohl die vorherrschende Meinung, dass man sich unter dem Deckmantel der Emotionen, die das Spiel mit sich bringt, alles erlauben darf. Ausserdem scheint danach eine Entschuldigung auch keine Option zu sein, beziehungsweise es wird vom unverschämten Nichtkollegen eine solche indirekt eingefordert nur um gleichzeitig klarzustellen, dass man sie sowieso nicht annehmen würde.

Natürlich stehen die Bundesligatrainer im Abstiegskampf unter grossem Druck und haben eine hohe Verantwortung für einen grossen regionalen Unterhaltungsbetrieb, aber trotzdem würde man sich von dem ein oder anderen Vertreter dieser Trainergilde ein bisschen mehr Gelassenheit und gesunde Selbstreflektion wünschen. Als positives Beispiel dafür darf der ehemalige Fussballtrainer Dragoslav “Stepi” Stepanovic gelten, welcher nach einem Abstieg mit Eintracht Frankfurt im besten serbisch-hessischen Dialekt die weisen Worte “Lebbe geht weiter” sprach.

Register for HITC Sport - Daily Dispatch