Warum die von der UEFA beschlossene Nations League eine sehr gute Idee sein könnte

Toni Kroos & Julian Baumgartlinger

Gerade aus Deutschland kamen viele kritische Stimmen über den neuen Wettbewerb für europäische Nationalmannschaften. Dabei ist das eigentliche Problem der bisherige EM-Qualifikationsmodus.

Man ist es ja mittlerweile gewohnt, dass die UEFA alle paar Monate mit neuen revolutionären Ideen ankommt, welche dann von Spielern, Vereinen und Fans heiss diskutiert und nicht selten deutlich kritisiert werden. Auch bei der gestern beschlossenen Nations League hiess es sofort, dass die UEFA ja nur an einer weiteren Kommerzialisierung des Fussballsports interessiert sei. Dabei ist das doch genau der Zweck der UEFA, nämlich durch die Zentralvermarktung des europäischen Profifussballs so viel Geld wie möglich für die Nationenverbände und Profivereine herauszuholen. Man kann die UEFA mit ihrem machtbesessenen Präsidenten Platini sicherlich für viele Sachen kritisieren, aber dafür bestimmt nicht. Dem Papst wirft man ja schliesslich auch nicht vor dass er katholisch ist.

Wie soll diese neue Nations League aber eigentlich funktionieren?

Anstatt der bisherigen Freundschaftsspiele sollen alle 54 europäische Nationalmannschaften gemäss ihrer Leistungsstärke in vier verschiedene Divisionen eingeteilt werden, so dass dann jedes Land nur gegen ähnlich starke Länder spielt. Die vier Divisionsgewinner erhalten am Ende einen weiteren Startplatz für die nächste Europameisterschaft. Zusätzlich spielen die vier stärksten Mannschaften der höchsten Division den Nations- League-Sieger aus. Zusätzliche sportliche Ernsthaftigkeit soll mit einem Auf- und Abstiegsystem erreicht werden, so dass dann theoretisch Länder wie San Marino oder Luxemburg nach drei Aufstiegen in der höchsten Division mitspielen könnten oder Länder wie England und Deutschland nach drei Abstiegen in der niedrigsten Division landen würden.

Soweit so kompliziert. Natuerlich zielt die nun vorgebrachte Kritik, dass der europäische Fussball keinen zusätzlichen Wettbewerb braucht und die Bedeutung der EM durch die Nations League sinken würde, nicht ins Leere. Es würde sich aber mit Sicherheit kaum jemand beschweren, wenn die Nations League den bisherigen EM-Qualifikationsmodus ablösen würde.

Das eigentliche Problem sind nämlich nicht die Freundschaftsspiele, die man jetzt abschaffen moechte, sondern dass die EM-Qualifikation besonders für die grossen Mannschaften aufgrund der gestiegenen Teilnehmerzahl bei der Europameisterschaft total uninteressant geworden ist.

Deutschland spielt beispielsweise in der Qualifikation ab September gegen Schottland, Irland, Georgien, Polen und Gibraltar. Selbst als Gruppendritter würde man sich noch für die entscheidenden Playoffs gegen andere Gruppendritte qualifizieren und als Erster und Zweiter wäre man automatisch bei der EM dabei. Der aktuelle Leistungsabstand zwischen der DFB-Elf und ihren Gegnern ist so gross, dass es quasi unmöglich für Deutschland sein wird, sich nicht für die EM zu qualifizieren. Es werden also 10 langweilige Qualifikationsspiele gegen mittelmässige Gegner kommen, die in Deutschland weder für die Spieler eine Herausforderung darstellen, noch für die Zuschauer sonderlich interessant sein werden. Für die anderen grossen Fussballnationen in Europa ist die Situation übrigens sehr vergleichbar.

Wenn man stattdessen nun das neue Konzept der Nations League aufgreifen und alle 54 Länderverbände gemäss ihrer Spielstärke in neun Sechsergruppen stecken würde, dann könnte sich Deutschland permanent mit gleichstarken Gegnern wie Spanien, Italien oder Holland messen.

Man könnte beispielsweise festlegen, dass sich in den höchsten drei Sechsergruppen jeweils die ersten vier für die EM qualifizieren, in den drei darauffolgenden Gruppen jeweils die besten drei und in den letzten drei Gruppen nur die jeweiligen Gruppensieger. Dann hätte man eine spannende Qualifikationsrunde mit vielen engen Spielen, da sich alle Gegner auf einem ähnlichen Niveau bewegen würden.

Ausserdem würde die Europameisterschaftsteilnehmerliste ähnlich wie bei einer WM nicht mehr nur aus den stärksten Nationen bestehen, sondern man hätte auch ein paar Exoten dabei, da ja Länder wie San Marino, Liechtenstein, Gibraltar, etc. unter sich auch einen EM-Teilnehmer ausspielen würden. Somit würde die Begeisterung für die Europameisterschaft auch in diesen kleinen Ländern steigen und es könnte dort zu einem wahren Fussballboom kommen.

Bedauerlicherweise sieht das tatsächliche Konzept die Nations League nicht als Alternative zur EM-Qualifikation, sondern zu den bisherigen Freundschaftsspielen vor. Solange das so bleibt, verdient die UEFA tatsächlich jegliche Kritik, aber mehr wegen des langweiligen EM-Qualifikationsmodus als wegen den interessanteren Partien der Nations League.

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