Verliert die Premier League für Bundesligaspieler an Attraktivität?

Premier League

Nach Lars Bender von Leverkusen hat sich jetzt auch Hoffenheims Firminio für eine Vertragsverlängerung bei seinem aktuellen Verein und damit gegen einen möglichen Wechsel nach England entschieden.

Bis vor kurzem gab es unter Fussballexperten keinen Zweifel darüber, dass die Premier League die beste und spannendste Liga der Welt ist und jeder ambitionierte Bundesligaspieler hätte es als Traum bezeichnet einmal für einen grossen Verein in England zu spielen. Die jüngsten Beispiele hierfür waren Lewis Holtby, der von Schalke nach Tottenham zog und Andre Schürrle, der seine Zelte in Leverkusen abbrach um sein Glück in Chelsea zu versuchen.

Mittlerweile scheinen es sich allerdings immer mehr begehrte Bundesligafussballer zwei Mal zu überlegen, ob ein Wechsel in die Premier League für ihre Karriere tatsächlich das Beste ist. Zuerst entschied sich Leverkusens Lars Bender gegen eine Offerte von Arsenal und verlängerte stattdessen beim Werksclub seinen Vertrag bis 2019 und nun tat es ihm gestern der Hoffenheimer Erfolgsgarant Roberto Firminio gleich, dessen Vertragsverlängerung bei seinem Verein einer Absage an den an ihm interessierten FC Liverpool gleichkommt. Auch bei anderen, ebenfalls von englischen Vereinen umworbenen, Spielern wie Toni Kroos und Julian Draxler scheint es mehr als fraglich zu sein, ob man sie tatsächlich demnächst in der Premier League sieht.

Woher kommt aber dieser Sinneswandel? Die Gründe hierfür scheinen vielfältiger Natur zu sein. Zum einen haben das letztjährige Champions-League-Halbfinale und die bisherigen Leistungen der Vereine in dieser Champions-League-Saison gezeigt, dass die besten europäischen Vereine aktuell nicht mehr in England zu finden sind. Bayern, Barcelona, Real Madrid und Dortmund dürften momentan wohl allesamt stärker sein als alle englischen Vereine, mit Ausnahme vielleicht des unter Mourinho wiedererstarkten FC Chelsea.

Die Schwäche der Premier League ging einher mit einer neuen Stärke der Bundesliga. In dieser Saison qualifiizerten sich zum ersten Mal überhaupt vier deutsche Mannschaften für das Champions-League-Achtelfinale. Obwohl sich dort Schalke und Leverkusen mit hohen Niederlagen blamierten, zeigte dies doch, dass man nicht unbedingt bei Bayern oder Dortmund spielen muss, um als Bundesligaspieler in den Genuss seines siebten und achten Spiels in der Königsklasse zu gelangen. Zumal die Spieler von Arsenal und Manchester City es diese Saison dort auch nicht auf mehr Einsätze brachten.

Das ist natürlich alles eine Momentaufnahme und wenn man ehrlich ist, dann ist die Premier League aufgrund des ähnlichen Leistungsvermögens ihrer Spitzenvereine immer noch die spannendste Liga. Darüber hinaus dürften die ersten vier bis fünf Mannschaften dort allesamt stärker sein als die besten deutschen Mannschaften, mit Ausnahme von Bayern und Dortmund natürlich.

Ebenfalls dürfte es eine Rolle spielen, dass es genug Beispiele von erfolgreichen Bundesligaspielern gab, die sich in der Premier League nicht durchsetzen konnten, wie z.B. Sahin bei Liverpool, Holtby bei Tottenham oder auch Jerome Boateng bei Manchester City. Das mag für viele andere Spieler abschreckenden Charakter haben, wenn es um die Frage geht um ein Wechsel nach England für die eigene Karriere tatsächlich sinnvoll ist.

Es wird interessant sein zu sehen, ob diese Entwicklung weitergeht oder ob im Sommer nicht doch ein paar Bundesligaspieler einen Wechsel auf die Insel vollziehen. Die tolle Stimmung in den Stadien, die Traditionsvereine und das viele Geld, das man dort verdienen kann, mögen gute Argumente für einen Wechsel sein, aber die Bundesliga muss sich mittlerweile dank ihres gestiegenen Niveaus und der endlosen Talenteflut auch vor niemandem mehr verstecken.

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