Warum diese Bayern sogar noch stärker sind als Barcelona unter Guardiola

Bayern Badge

Der alte und neue deutsche Meister hat es sogar geschafft alte Fussballweisheiten ausser Kraft zu setzen.

Ein Spiel dauert 90 Minuten. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Am Ende entscheidet die Tagesform.

Wie viele Phrasenschweine wurden nicht schon mit diesen Fussballweisheiten gefüllt und doch wusste man, dass diese Tautologien die einzigen Konstanten im schnelllebigen Fussballgeschäft sind - oder besser gesagt waren. Denn die Rekordbayern unter Guardiola haben es sogar geschafft, dass eine dieser Weisheiten ihre Gültigkeit verloren hat.

Zwar haben sie mit ihrem dominanten Spiel keinen Einfluss auf die tatsächliche Spiellänge genommen und sie müssen sich wie jede andere Mannschaft auch immer wieder neuen sportlichen Herausforderungen stellen, aber der FC Bayern 2014 hat es geschafft, sich von der Tagesform seiner Spieler zu emanzipieren.

Die Weisheit, dass am Ende die Tagesform entscheiden würde, beruhte immer auf der Annahme, dass ein schlechter Tag eines oder mehrerer Schlüsselspieler die Erfolgsaussichten für das gesamte Team erheblich schmälern würde. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass es tatsächlich in der Mannschaft immer ein bis drei Akteure gibt, deren Erfolgsbeiträge gemeinhin als höher zu bewerten sind als die ihrer Mitspieler.

Ein gutes Beispiel dafür wäre der FC Barcelona in seiner dominanten Phase von 2008 bis 2012, in der er nicht zuletzt aufgrund der herausragenden Fähigkeiten der Herren Messi, Xavi und Iniesta auf nationalem und internationalem Parkett kaum besiegbar war. Umgekehrt erfolgten die seltenen Niederlagen meistens an Tagen an denen das Trio nicht wie gewohnt seine Fähigkeiten entfalten konnte.

Barcelonas damaliger Trainer hiess Guardiola und er hat mit der jetzigen Mannschaft des FC Bayern etwas geschafft, was in der Geschichte des Vereinsfussballs bislang nahezu einzigartig ist. Die aktuelle Form einzelner Spieler beeinträchtigt nicht mehr den Gesamterfolg. Egal welche Bauern gerade auf dem Feld arbeiten, die Ernte bleibt immer gleich gut. Das Erstaunliche daran ist, dass jahrelang ein Personenkult um die herausragenden Spieler Ribery, Robben und Schweinsteiger betrieben wurde und es aber nun in dieser Saison fast nicht aufgefallen ist wenn diese mal nicht gespielt haben.

Mittlerweile verfügt die Mannschaft über so viele hochqualitative Spieler, dass eine Rotation unausweichlich ist. In der laufenden Bundesligasaison hat bespielsweise Mandzukic bisher 22 Scorerpunkte erreicht, Müller 20, Ribery 18, Robben 15, Götze 14, usw. Diese ausgeglichene Verteilung der Erfolgsbeiträge macht die Bayern eben von individuellen Schwächephasen unabhängig und dadurch eliminiert man einen unkontrollierbaren Zufallsfaktor, welcher sich negativ auf das Spiel auswirken könnte.

Die Bilanz von 25 Siegen und nur 2 Unentschieden in 27 Saisonspielen kann man nicht mit einer konstant guten Leistung aller Spieler erklären. Jeder Spieler hat seine Leistungsschwankungen oder muss irgendwann mal aufgrund einer Verletzung pausieren. Rotation gehört also zum Repertoire jeder erfolgreichen Mannschaft, aber Guardiola hat sie dahingehend perfektioniert, dass er aus der Verzicht- und Ersetzbarkeit absolut jeden Spielers eine vorher nicht für möglich gehaltene Mannschaftsleistungskonstanz erreicht hat.

Und dadurch hat er dann auch dazu beigetragen, dass eine andere Fussballweisheit nie mehr Gültigkeit hatte als beim aktuellen FC Bayern: Der Star ist die Mannschaft.

Register for HITC Sport - Daily Dispatch