Die drei Weisen aus dem Trainerland, Louis, Jupp und Pep, verhalfen dem Stern des Südens zu neuem Glanz

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Vor fünf Jahren setzte es für den FC Bayern noch derbe Klatschen gegen Wolfsburg und Barcelona. Seitdem wird aber fast nur noch ausgeteilt und das vor allem dank der drei letzten Trainer. Ein huldigender Rückblick.

Als der aktuelle US-Nationaltrainer Klinsmann bei den Bayern noch das Zepter schwang, wurden zur Inspiration der Spieler Buddhafiguren auf dem Trainingsgelände aufgestellt und tatsächlich konnte man etwas von der buddhistischen Ruhe und Leidensfähigkeit in der undynamischen Spielweise der Mannschaft wiedererkennen. 2009 wurden desorientierte Bayern von Barcelona 4-0 und von Wolfsburg 5-1 gedemütigt. Danach zeigte sich beim deutschen Rekordmeister, dass nicht nur im Buddhismus Leiden zu Einsicht und Wahrheit führen kann und die nachfolgenden Trainerentscheidungen sollten schliesslich die Basis für die jetzigen Rekordbayern sein.

Nachdem Jupp Heynckes 2009 für den entlassenen Klinsmann interimsmässig ran durfte und dabei mit 13 aus 15 möglichen Punkten in den letzten fünf Saisonspielen bereits seine Tauglichkeit andeutete, wurde zur neuen Spielzeit der knorrige Holländer Louis van Gaal als neuer Cheftrainer präsentiert. Dieser entdeckte nicht nur die damals jungen Talente und heutigen Leistungsträger Müller, Badstuber und Alaba in der eigenen zweiten Mannschaft, sondern beharrte gleichzeitig auf der Verpflichtung seines Landsmanns Arjen Robben und führte den ballbesitzorientierten Offensivfussball als Spielphilosophie ein. Ohne van Gaal wären die Bayern mit Sicherheit nicht dort wo sie jetzt stehen.

Mit ihm wären sie es aber vermutlich auch nicht, da der eigenwillige Trainer keine Nachhaltigkeit seiner Erfolge der ersten Saison mit dem Double und dem Einzug ins Champions-League-Finale erreichen konnte und im Folgejahr wegen sportlicher Erfolgslosigkeit von seinen Aufgaben entbunden wurde.

Während van Gaal sich die Einführung des erfolgreichen Spielsystems ans Revers heften konnte, brachte sein Nachfolger Jupp Heynckes dem Team Harmonie und Diplomatie; Werte welche unter seinem streitbaren Vorgänger nicht unbedingt Hochkonjunktur hatten. Nach drei zweiten Plätzen in der ersten Saison wurde im Folgejahr aus dem Vizejupp der Triplejupp und sein Fingerspitzengefühl im Umgang mit egozentrischen Fussballprofis hätte ihn wohl auch für fast jedes Amt im diplomatischen Dienst qualifiziert.

Mehr altersbedingt als notwendigerweise kam danach seine Ablösung durch den deutlich jüngeren Spanier Pep Guardiola, welcher sich davor als erfolgreichster Trainer der letzten Jahre beim FC Barcelona und nun als schnellster Deutschschüler beim FC Bayern einen Namen gemacht hatte. Das Spiel unter ihm wurde weniger vertikal und Ballbesitz noch wichtiger. Zudem bekam er als Antrittsgeschenk noch die hochtalentierten Spieler Thiago und Götze überreicht und seitdem sind Niederlagen als kollektives Mannschaftserlebnis quasi gestrichen. In dieser Saison musste diese Erfahrung nur im Endspiel des deutschen Supercups gegen Dortmund und beim letzten Champions-League-Gruppenspiel gegen Manchester City gemacht werden. Das dauerhafte Ergebnishoch endete gestern bekanntermassen mit dem 24. Meistertitel und es ist keineswegs auszuschliessen, dass die feiererprobten Bayernfans dieses Jahr noch zwei weitere Male auf die Münchner Leopoldstrasse müssen.

Nächste Woche jährt sich die 1:5-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg zum fünften Mal und während der ehemalige Wolfsburgspieler Grafite wahrscheinlich seinen Kindern noch regelmässig das Video seines damaligen Zaubertores zeigt, glänzt der Stern des Südens heller denn je. Man sollte nicht vergessen, dass dafür nicht nur der neue König des FCB, sondern vor allem auch seine zwei Vorgänger verantwortlich sind.

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