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Was bedeuten Greens und Calhanoglus Entscheidungen nicht für Deutschland zu spielen?

West Germany

Mit Julian Green und Hakan Calhanoglu haben sich zwei deutsche Talente dagegen entschieden für die DFB-Elf zu spielen. Könnte das Vorbildcharakter für andere Spieler mit multikulturellem Hintergrund haben?

Jürgen Klinsmann ist als US-Trainer ein grosser Coup gelungen, indem er den 18-jährigen Julian Green von der zweiten Mannschaft der Bayern überzeugen konnte, zuküntig für die Nationalmannschaft der USA anstatt für Deutschland aufzulaufen. Vergleichbar grosse Freude dürfte die Entscheidung des 20-jährigen HSV-Talents Hakan Calhanoglu in der Türkei ausgelöst haben, als dieser bekannt gab von jetzt an für das Land seiner Vorfahren zu spielen. Besteht nun die Gefahr, dass sich andere deutsche Talente mit multikulturellem Hintergrund ähnlich entscheiden könnten?

Man sollte hier die Kirche im Dorf lassen. Wenn man als 18-jähriger Viertligaspieler die Chance hat an einer WM in Brasilien teilzunehmen, dann sollte man sich nicht dafür rechtfertigen müssen, wenn man sie auch ergreift. Bei der Vielzahl von hoffnungsvollen deutschen Talenten ist es schwierig vorherzusehen wer tatsächlich ein Superstar wird und wer am Ende nie über die Rolle des ewigen Talents herauskommt.

Julian Green wird es bei Bayern ganz schwer haben sich dauerhaft durchzusetzen und das hätte natürlich auch für die deutsche Nationalmannschaft gegolten. Die wage Perspektive irgendwann mal in der Zukunft mit der deutschen Nationalmannschaft als Favorit an einem grossen Turnier teilzunehmen war vielleicht einfach nicht überzeugend genug im Vergleich zu einer sofortigen Teilnahme an einer Weltmeisterschaft mit einer respektablen US-Mannschaft.

Bei Hakan Calhanoglu verhält es sich ähnlich, da es für seine Mittelfeldposition in der DFB-Elf soviel Konkurrenz gibt, dass er vielleicht nie dauerhaft gespielt hätte. Mit der Türkei wird er zwar nicht bei dieser WM dabei sein, aber die nächste Europameisterschaft in zwei Jahren in Frankreich ist aufgrund der Aufstockung der Teilnehmerzahl von 16 auf 24 mehr als realistisch.

Die jetzige Entscheidung dieser zwei hoffnungsvollen Talente bedeutet lediglich, dass es aktuell so viel Qualität in der deutschen Nationalmannschaft gibt, dass einige Spieler aufgrund ihrer multikulturellen Wurzeln den vermeintlich einfacheren Weg gehen und sich für eine andere Nationalmannschaft entscheiden werden. Statt sich darüber zu ärgern, sollte man sich als deutscher Fussballfan eher freuen, dass Deutschland mittlerweile ein Exportland qualitativ hochwertiger Fussballspieler geworden ist und man nicht mehr Durchschnittskicker aus Südafrika und Brasilien für die eigene Nationalelf einbürgern muss.

Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass sich Green und Calhanoglu in ihrer Identität mehr den anderen Ländern zugehörig fühlen und deswegen die Entscheidung für die USA und die Türkei getroffen haben.

Egal ob aus Kalkül oder als Herzensangelegenheit, man sollte den beiden alles Gute für ihre Nationalmannschaftskarrieren wünschen und sie als Fan genauso wie bisher in ihren Vereinen unterstützen. Trotzdem muss ein Julian Green ja nicht unbedingt bei der Weltmeisterschaft in drei Monaten im Gruppenspiel gegen Deutschland glänzen.

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