Deutschlands Nummer 3 und 4 stellen den olympischen Gedanken in der Champions League in den Vordergrund

Schalke 04

Gerüchten zufolge sollen selbst diese Mannschaften international einst angetreten sein um zu gewinnen.

“Die Ehre war wieder da.” So beschrieb Schalkes Trainer Keller eine 2-Tore-Niederlage gegen Real, welches mit einer besseren B-Elf angetreten war. Insgesamt sind die Knappen mit einem blamablen 2-9 gegen Real ausgeschieden und reden sich danach das zweite Ergebnis schön, da es weniger vernichtend war als das erste. Es mutet vor diesem Hintergrund fast ein bisschen seltsam an, wie schnell fussballerisches Handeln auf Schalke mit dem Ehrbegriff versehen wird .

Aehnlich begeistert zeigte sich letzte Woche auch der Leverkusener Trainer Hyypiävon seiner Elf, die wohl gemerkt ebenfalls unterlag. Auch in diesem Fall hatte man nach dem 0-4 Hinspieldebakel Schlimmeres befürchtet als das 1-2 und wertete dieses Ergebnis gegen die neureichen Franzosen von Paris St. Germain deshalb als Erfolg. Eigentlich hatte Hyypiä noch vergessen die tolle Halbzeitsleistung seiner Spieler zu erwähnen, da sich diese diesmal nicht um das Trikot des Superstars des Gegners gestritten haben, wie noch vor zwei Jahren mit Barcelonas Ausnahmespieler Messi geschehen.

Es ist ja schön und gut, wenn die Trainer der beiden vermeintlich besten Bundesligamannschaften nach Bayern und Dortmund versuchen den Druck von ihrem Personal zu nehmen, aber als Anhänger dieser beiden Vereine hätte man sich wahrscheinlich doch ein bisschen mehr Gegenwehr gewünscht. Das mag man dann entweder als Realitättssinn durchgehen lassen, weil die international Konkurrenz halt über so viel mehr finanzielle Ressourcen verfügt oder aber man entwirft einfach mal die verrückte Idee und denkt tatsächlich daran wie man den scheinbar übermächtigen Gegner besiegen könnte. Ist ja nicht so, dass es das noch nie im Fussball gegeben hätte.

Besonders ärgerlich werden diese Weichspülphrasen nach den Spielen vor dem Hintergrund, dass in beiden Vereinen ja eigentlich hervorragend gearbeitet wird und man deswegen rhetorisch ein bisschen offensiver auftreten könnte. Schalke spielte gestern beispielsweise mit acht Spielern aus der eigenen Jugend und ihre U19 hat als einzige deutsche Mannschaft das Halbfinale der neugegündeten Youth League, eine Art Champions League für diese Alterskategorie, erreicht. Wenn man sich dann noch die Anzahl der bereits etablierten jungen Bundesligakräfte in ihren Reihen anschaut, dann kann man dort eigentlich sehr optimistisch für die Zukunft sein.

Auch Leverkusen hat durch seine exzellente Einkaufspolitik immer gute und billige Schnäppchen gefunden, die sich dann dort zum Toppersonal weiterentwickelt haben. Besonders die Scoutingabteilung in Südamerika gehoert neben der vom FC Porto wahrscheinlich mit zu den besten Europas und nicht umsonst haben Spieler wie Vidal, Ze Roberto oder Jorginho ihre europäischen Spielerkarrieren zuerst dort begonnen.

Es ist aber fraglich, ob diese jungen und hoffnungsvollen Talente tatsächlich Karriere bei Vereinen machen wollen, die so begeistert davon sind international teilnehmen zu dürfen, dass sie dann fast jegliche sportliche Ambition vermissen lassen wenn es um die Wurst geht.

Also liebe Leverkusener und Schalker, freut euch noch ein bisschen über eure ehrhaften 2-9 und 1-6 Gesamtresultate gegen zugegebenermassen erstklassig besetzte europäische Spitzenteams und tretet dann nächstes Jahr ein bisschen selbstbewusster auf oder ärgert euch wenigstens richtig wenn ihr solche Packungen bekommt. Immerhin gibt es ja genug Leute die Geld bezahlen um euch in solchen Spielen live sehen zu können und die sich dann über ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit, wenn schon nicht auf dem Platz, dann doch wenigstens bei der anschliessenden Spielbewertung, freuen würden.

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