Bayern ohne Hoeness: Wie sehr wird der Verlust der Vaterfigur die Mannschaft beeinflussen?

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Er musste den Verein verlassen, als dieser gerade die beste Mannschaft im Klubfussball stellte. Werden wir nun das Ende von Bayerns internationaler Dominanz sehen?

Uli Hoeness hat seit 1970 insgesamt 53 (!) offizielle Titel mit Bayern München gewonnen. In dieser Zeit war er als Spieler, Manager und Präsident fuer diesen Erfolg mitverantwortlich. Es dürfte sehr schwierig werden ein anderes Team in egal welcher Sportart zu finden, welches auf ähnliche Art von einem einzigen Mann so stark geprägt wurde wie das bei Bayern mit Hoeness der Fall war.

Letzte Woche ist er schliesslich von allen offiziellen Posten bei Bayern zurückgetreten, nachdem er zu 3,5 Jahren Gefängnis wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Ist das der Anfang vom Ende der dominanten Rolle der Bayern im internationalen Klubfussball?

Es hätte den Verein stärker getroffen, wenn Hoeness bereits vor fünf Jahren zurückgetreten wäre als er noch Bayerns Manager war. In dieser Position war er noch mehr im Tagesgeschäft involviert und hatte direkte Verantwortung für finanzielle und sportliche Belange. 2009 wechselte er vom Managersessel auf den Präsidentenstuhl und der ehemalige Bayernspieler Nerlinger übernahm seinen Verantwortungsbereich.

Nerlinger machte seine Sache zwar recht gut, aber seine mangelnde Härte und Aggresivität in der öffentlichen Wahrnehmung wurde Bayerns Selbstverständnis für diesen Posten nicht gerecht. Darum beschloss die Vereinsführung ihn durch Matthias Sammer zu ersetzen. Das war gleichzeitig wahrscheinlich ihre wichtigste Verpflichtung der letzten zwei Jahre trotz Guardiola, Goetze und all den anderen Superstars.

Sammer spielt genau Hoeness’ ehemalige Rolle als aggressiver Klubleader, der der permanente Stachel in Bayerns Sitz der Gemütlichkeit ist. Er ist der perfekte Spielverderber wenn jeder um ihn herum glücklich ist, die exzellente Spassbremse wenn um ihn herum zuviel gefeiert wird. Genau diese Art der permanenten Kritik trotz aller Titel war Hoeness’ Erfolgsformel. Die Spieler kritisieren wenn sie erfolgreich sind und sie beschützen wenn sie aufgrund von schlechten Leistungen Medienkritik einstecken müssen. Damals Hoeness und heutzutage Sammer und Chelseas Trainer Mourinho – sie alle wissen, dass man eine starke Gruppenidentität schaffen und gleichzeitig die Motivation jedes einzelnen Mitglieds heben kann, wenn man die Unterschiede zu anderen Teams hervorhebt und auf der anderen Seite immer jeden einzelnen Spieler öffentlich verteidigt.

Bayern wird ohne Hoeness nicht mehr derselbe Verein sein und niemand würde dem dort widersprechen. Trotzdem ist der Verein zu professionell geführt um nur von einem Mann abhängig zu sein. Sammer und Guardiola symbolisieren beide diesen absoluten Perfektionismus, der schon immer typisch für die Bayern war. Sie hatten nie einen russischen Oligarchen, einen arabischen Scheich oder irgendeine andere Form von internationalem Investment, und haben es trotzdem geschafft einer der reichsten und erfolgreichsten Fussballvereine der Welt zu werden.

Eines Tages wird ihre aktuelle Dominanz im Weltfussball enden, wie es schon immer bei grossen Fussballmannschaften wie Ajax in den späten 1970er Jahren, AC Milan in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren und Barcelona von 2008-2012 der Fall war. Unabhängig davon wie die Geschichte des Vereins weitergeht, wird der Name Uli Hoeness immer für seine beispielslose Leistung als Spieler, Manager und Präsident des FC Bayern und gleichzeitig für seine mangelnde soziale Verantwortung als Mitglied der deutschen Gesellschaft in Erinnerung bleiben.

Wie dem auch sei, der Verein FC Bayern hat schon vor Hoeness existiert und wird auch nach ihm existieren. Jeder Club ist grösser als seine einzelnen Mitglieder, auch wenn deren individuelle Arbeit noch so erfolgreich gewesen sein mag.

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