Wie realistisch ist es, dass Ginter ein Red Devil wird?

Badenova Stadion, SC Freiburg

Der deutsche Verteidiger hat mehrere Optionen im Sommer. Wird er sich Manchester United anschliessen?

Die Premier League hat eine grosse Faszination auf die Leute in Deutschland – die leidenschaftlichen Fans, der athletische und schnelle Fussball und natürlich die hohen Löhne die dort den Fussballern gezahlt werden. Trotzdem gibt es einige Spieler die zögern den dorthin Schritt zu machen und stattdessen bevorzugen in der Bundesliga zu bleiben.

Werfen wir zuerst einen genaueren Blick auf Ginters aktuelles Team. Freiburg hat wahrscheinlich das gemütlichste Ambiente aller 18 Bundesligavereine. Hier fährt der Trainer tatsächlich noch mit dem Fahrrad zum Training und niemand kommt auf die Idee auf ihn oder das Team Druck auszuüben, obwohl die Mannschaft auf dem vorletzten Tabellenplatz steht. Die Leute in der Stadt nahe der französischen Grenze freuen sich einfach, dass es überhaupt Bundesligafussball in Freiburg gibt.

Man stelle sich nun einmal vor wie gross der Schritt für einen jungen talentierten Spieler von so einem Verein zu einem der grössten Global Player im internationalen Fussball wäre. Hier müsste er sich täglich mit Dingen auseinandersetzen, die es in Freiburg kaum gibt: Erwartungen und Druck.

Der letzte Freiburger Spieler, der den Schritt in die Premier League gewagt hatte, war Papiss Cisse von Newcastle. Nachdem er dort einen guten Start hatte, kämpft er gerade mitten im Laufe einer zweiten enttäuschenden Saison um ein bisschen mehr Einsatzzeit.

Noch drastischer ist dagegen Lewis Holtbys negative Entwicklung seit er in die Premier League gewechselt ist. Auf Schalke war er ein Schlüsselspieler, konnte in der Champions League international Erfahrung sammeln und wurde deutscher Nationalspieler. Heute ist er noch nicht einmal mehr Stammspieler beim Tabellenletzten Fulham und hat wahrscheinlich keine Chance mehr bei der WM in Brasilien dabei zu sein.

Die deutschen Medien berichten regelmässig über diese Fälle und natürlich auch über die ganze Medienschelte für Mesut Ozil nachdem sich dieser seit Wochen in einem Formloch befindet . All diese Dinge mögen die Entscheidung eines 20-jaehrigen Spielers eines deutschen Provinzvereins schon beeinflussen.

Aber was wären die Alternativen? Bayern hat das Interesse an ihm aufgrund seiner Leistungsschwankungen verloren. Dortmund ist zwar immer noch interessiert, aber sie haben auch schon erstklassige Innenverteidiger wie Hummels, Subotic und Sokratis. Also gäbe es für Ginter auch keine Garantie dort regelmässig zu spielen. Andere Bundesligaoptionen wie Schalke oder Leverkusen scheiden aus, da sie wohl keine 12 Millionen Euro für einen Innenverteidiger zahlen möchten.

Vielleicht ist Manchester United also doch nicht die schlechteste Option. Er weiss, dass es dort grössere Mannschaftsveränderungen, speziell in der Innenverteidigung, geben wird und dass diese nicht von heute auf morgen geschehen werden. Das könnte eigentlich ein Vorteil für ihn sein, da Moyes und die Fans mit ihm deswegen am Anfang etwas geduldiger sein werden. Schliesslich erwartet niemand von Ginter, dass er die Manchesterlegende Vidic auf Anhieb gleichwertig ersetzen wird.

Es mag also ein grosser Schritt für Matthias Ginter sein, sich so einem grossen Team wie Manchester United anzuschliessen, aber bis jetzt vermittelt er den Eindruck selbstbewusst genug zu sein, um es wenigstens auszuprobieren. Solange er in seinen Leistungen konstanter wird, kann er tatsächlich ein wichtiger Spieler bei Manchester werden. Vielleicht unternimmt er also doch diesen Schritt, um sich seinen Erfolg von einer langen und erfolgreichen internationalen Karriere zu erfüllen.

Wäre das Theatre of Dreams dafür nicht der passende Ort?

image: © Markus Unger

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